Magazin: Museen & Institutionen , 1995

Unter sich

Das Künstlerhaus Stuttgart eröffnet der neue Leiter Nicolaus Schafhausen mit einer »Clubdiskussion« der GaleristInnen

Ein Kommentar von Jochen Becker

Kunst muß handelbar sein, sonst gibt es keine nennenswerte künstlerische Produktion unter den gegebenen ökonomischen Umständen. Alles, was nicht handelbar ist, erreicht weder Sammler noch das Museum und verschwindet letztendlich. Wo kein Markt ist, ist auch keine Öffentlichkeit für Kunst. {…} Mit einem Wort: Konkurrenz statt Subvention und bloße Selbstverwirklichung“, beschreibt Galerist Max Hetzler die darwinistischen Gesetze des Kunstmarktes, abgedruckt im kürzlich erschienenen Sammelband ‚Spiegelschrift`1. Mit einem zweiten Verkaufsraum im bauboomenden Herzen vom Berlin-Mitte plazierte sich der in den expansiven 80er Jahren schon einmal äußerst erfolgreiche Kölner Kunsthändler nun als Büro-Ausstatter der neuen Hauptstadt: So viele Wände und Stellflächen wurden schon lange nicht mehr gebaut.

Der ‚Erfolg` von Galerien bemißt sich am Verkauf und ist somit eng gekoppelt an das Wirtschaftssystem, welches sie reproduzieren. Die Bauwut entlang der Friedrichstraße markiert zwar noch eine Sonderkonjunktur, könnte jedoch schon bald in einen allgemeinen Wirtschaftsaufschwung münden. Obgleich viele ambitionierte Galerien glaubhaft über ihre zwischenzeitlich angehäuften Schulden jammern, läßt sich auf ein baldiges Anziehen des Umsatzes durchaus spekulieren. Sobald die Ankäufe wieder locken, wird sich die Szene – angefeuert durch den Kunsthandel – stärker polarisieren und weiter zersplittern in Aufschwungsgewinnler und Subkultur, Großbild-KünstlerInnen oder themenorientierte Initiativen. Es scheint somit auch absehbar, daß die als ‚Rezessions-Kunst` bezeichneten, mit sparsamen Mitteln und sozialen Anknüpfungspunkten arbeitenden künstlerischen Projekte über kurz oder lang den Marktdruck zu spüren bekommen.

Nicolaus Schafhausen, seit Beginn des Jahres Leiter des Stuttgarter Künstlerhauses, war vor seiner Neuberufung…

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von Jochen Becker

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