Titel: 56. Biennale Venedig – All the World's Futures - Länderbeiträge Giardini · von Susanne Boecker · S. 362
Titel: 56. Biennale Venedig – All the World's Futures - Länderbeiträge Giardini , 2015
Titel: 56. Biennale Venedig – All the World's Futures - Länderbeiträge Giardini

Uruguay

Marco Maggi

Global Myopia II (Pencil & Paper)

Kommissar: Ricardo Pascale.

Kurator: Patricia Bentancour.

Ort: Pavilion in den Giardini

In Zeiten, in denen spektakuläre Materialschlachten im Kunstbetrieb an der Tagesordnung sind, überrascht der Pavillon Uruguays mit einer äußerst minimalistischen Installation. Er habe sich die Aufgabe gestellt, ein Projekt zu entwickeln, das er in einem Koffer antransportieren und dann „wie eine ZIP-Datei“ an den Pavillon-Wänden öffnen könne, sagt Marco Maggi. Tatsächlich reiste der Künstler im Frühjahr 2015 mit einem kleinen Koffer nach Venedig. Darin befand sich sein kompletter Beitrag für die Biennale-Ausstellung. Ein Jahr lang hat Maggi die Installation in seinem New Yorker Atelier vorbereitet: Aus selbstklebendem weißen Papier schnitt er 10.000 winzig kleine Elemente aus. Dieses „Alphabet“ klebte er dann in wochenlanger Arbeit auf die Wände des Pavillons.

„Unsere Zeit ist so mit dem Spektakel des Makro-Dramas beschäftigt, dass Zartheit subversiv geworden ist“, sagt Maggi. Seine minimalistischen Zeichnungen und Skulpturen sind nicht mit einem schnellen Blick erfasst, sie zwingen zur genauen Betrachtung. Aus diesem Grund bilden sich vor dem uruguayischen Pavillon auch rasch kleine Warteschlangen. Nur wenige Besucher dürfen sich gleichzeitig in dem weiß gestrichenen Raum aufhalten, der auf den sprichwörtlichen „ersten Blick“ völlig leer erscheint. Erst bei genauem Hinschauen erkennt man die winzigen weißen Strukturen. Ausgeleuchtet von einem maßgeschneiderten, ausgeklügelten Lichtsystem, das winzige Schatten produziert, formieren sich die aufgeklebten Papierstückchen zu seltsamen Stadtplänen oder Luftaufnahmen. Oder was sonst könnten sie darstellen? Vielleicht Computerplatinen?

Unwillkürlich versucht man, die Arbeit zu entschlüsseln und vermeintlich verborgene Informationen zu decodieren. Die Suche nach einem Bedeutungszusammenhang erweist sich jedoch als vergeblich:…

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von Susanne Boecker

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