Titel: 50. Biennale Venedig · von Michael Hübl · S. 300
Titel: 50. Biennale Venedig , 2003

URUGUAY: Pablo Atchugarry
Als Pablo Atchugarry Ende der 70er-Jahre mehrere Reisen durch Europa unternahm, machte er eine folgenreiche Entdeckung. Der Steinbruch von Carrara wurde für ihn zu einer Art leuchtender Offenbarung. Seither haben ihn die materiellen Qualitäten des Marmors nicht mehr losgelassen. Seit 1982 lebt Atchugarry sogar in relativer Nähe zu diesem Werkstoff; er ist von Uruguay in das lombardische Städtchen Lecco gezogen. Im Glauben an eine Kunst der absoluten Form, in der das subjektive ästhetische Empfinden mit den Herausforderungen der eigenen Epoche eine Synthese eingeht, entstanden dort etliche monumentale Skulpturen, darunter als eine seiner jüngsten Arbeiten eine 6,10 Meter hohe Huldigung an seinen Wohnort („Monumento alla civiltà e cultura del lavoro lecchese“, 2002). Atchugarrys Bildhauerei ist im direkten Wortsinn vielfältig: In Venedig sind das hohe Stelen, die der Künstler mit subtilem technischen Können in eine Abfolge abstrakter Fältelungen und Faltenwürfe aufgelöst hat. Schlanke ovaloide, auch lanzettförmige Öffnungen steigern den Eindruck der Leichtigkeit. Diese Überhöhung wird zusätzlich befördert durch eine Reihe niedriger Skulpturen, die aus der Dreiecksform entwickelt und in grauem Marmor gefertigt sind. „La lumière“ (Das Licht, 1982) nannte Atchugarry die erste Arbeit, die in Carrara entstand. Seinen Beitrag für Venedig hat er unter das Motto „Sonando la paz“ (Vom Frieden träumend) gestellt. Es gibt eben Formen, die lassen sich beliebig mit beinahe jeder Botschaft verschmelzen. Kunst für jede Gelegenheit sozusagen.
MH

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