Ausstellungen: Wien , 2012

Ursula Maria Probst

Utopie Gesamtkunstwerk

»Der letzte Rest Gesamtkunstwerk«

21er Haus,Wien, 20.1. – 20.5.2012

Diskursiv ambitioniert wirft die erste Gruppenausstellung in dem im Herbst 2011 neu eröffneten renovierten modernistischen Bau des 21er Haus einen zeitgenössischen Blick auf das historische Denkmodell des Gesamtkunstwerks. Einem gesellschaftspolitischen Zugang zum „Gesamtkunstwerk“ als Gemeinplatz für eine kritisch, engagierte, Partizipation und Emanzipation einfordernde Kunst wird in „Utopie Gesamtkunstwerk“ die differenzierende Sichtweise einer gescheiterten Utopie gegenüber gestellt. Bereits der Gedankenentwurf des Gesamtkunstwerks macht deutlich, dass sich Spuren dort am klarsten verfolgen lassen, wo sich Trennlinien zwischen künstlerischen Gattungen, Kompetenzen, Schauplätzen und Wirkungsweisen auftun. Intermediale und kollaborative Kunstprojekte bewirken heute eine „Verfransung der Künste“ zwischen Erfahrungsräumen und Diskursmaschinen, Sozialprojekten und Design. Gerade dieses anachronistische Moment macht den Begriff des Gesamtkunstwerks für die zeitgenössische Kunst interessant.

Die KuratorInnen der Ausstellung Bettina Steinbrügge und Harald Krejci setzen zeitgenössische Positionen seit den 1950er in Beziehung zur Moderne und stellen gleichzeitig produktive Wahlverwandtschaften her durch die Fragen zur Autorschaft, deren Definition und Bedeutung oder Verhältnis zum künstlerischen Manifest in Position gebracht werden. Aufgezeigt wird in der Ausstellung, dass der Begriff des Gesamtkunstwerks als Modell für künstlerische Strategien wirkt, die modernistische Prinzipien weiterführen oder in ihr Gegenteil verkehren.

Das von Esther Stocker aus tiefschwarzen, begehbaren Kuben als offenes Raumkonzept gestaltete Ausstellungsdisplay bildet als künstlerische Intervention einen markanten geradezu brachialen Eingriff in die Glasstahlkonstruktion des 21er Haus. Inszenatorisch als bühnenartiges Setting dramaturgisch durch den Schriftzug „Utopie Gesamtkunstwerk“ aufgeladen, gestalten sich die 110 Arbeiten der 50 beteiligen KünstlerInnen in dieser räumlich-visuellen Abstraktion zu einem Zusammenspiel verschiedener szenischer Situationen. Die Ausstellung…

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von Ursula Maria Probst

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