Messen & Märkte , 2005

JÜRGEN RAAP

Verwirrend schön

Jürgen Raap über die Art Cologne 2005

Eine geflügelte Redensart besagt, Köln sei eine Stadt, in welcher man den Erfolg nicht wirklich will. So pflegt Andreas Rettig, der Manager des 1. FC Köln, Woche für Woche die Niederlagen seiner Mannschaft schönzureden, und zu diesem Typus des kölschen Optimisten gehört auch Oliver P. Kurth, der Geschäftsführer der KölnMesse. Während das Boulevardblatt „Express“ in einer mehrteiligen Artikelserie die „Kölner Kunst-Krise“ beklagte, die an der Abwanderung von Galerien und an einer höchst burlesken kommunalen Kulturpolitik festzumachen ist, beharrt Kurth darauf, die ART COLOGNE sei „eine qualitativ erstklassige, interessante und internationale Messeplattform“.

In einer Stadt, deren Stolz darin besteht, bereits vor 2000 Jahren eine römische Fußbodenheizung und damit einen großartigen Innovationsvorsprung gegenüber den germanischen Barbaren auf der anderen Rheinseite gehabt zu haben, begreifen die Messemacher nur sehr zögerlich, dass sich die Zeiten inzwischen gründlich gewandelt haben. Noch vor wenigen Jahren bewarben sich regelmäßig 500 Galerien um eine Art Cologne-Teilnahme, und nur die Hälfte konnte zugelassen werden. So war es bis jetzt für die Bosse der KölnMesse kaum vorstellbar, dass sich die Kunsthändler künftig zieren könnten. 2005 allerdings verzichteten viele lieber auf eine Koje: „Wir legen eine Denkpause ein“, verkündete z.B. Mathias Rastorfer von der Kölner Galerie Gmurzynska. Hinter vorgehaltener Hand war zu hören, dass ART COLOGNE-Direktor Gérard Goodrow an andere Top-Galerien gar Bettelbriefe verschickt haben soll, um sie doch noch zur Anmeldung zu bewegen.

Partyzelt-Entrée

Weil die Messegesellschaft ihre Rheinhallen zum Jahresende an den Sender RTL abtritt, zog die ART COLOGNE in die Hallen 9 und…

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