Ausstellungen: Arnsberg , 2000

Marcus Lütkemeyer

Vincent Prud’Homme

»Villes improbables«

Kunstverein Arnsberg e.V., 27.8. – 22.10.2000

Laut Foucault ist die aktuelle Epoche das Zeitalter des Raumes, der als Heterogenität von Lagerungsbeziehungen erscheint. So leben wir nicht innerhalb einer Leere, sondern in einer Gemengenlage verschiedener Ordnungs- und Ortsbezüge. Gerade die räumliche Verankerung in der Gesamtheit von Gegebenheiten kennzeichnet menschliche Existenz. Entsprechend sind Orte existentiale räumliche Verdichtungen, die sich als memoriale Aneignung von Raum situativ ereignen.

Die subjektive Vergewisserung räumlicher Verortungen ist auch Anliegen des französischen Künstlers Vincent Prud’Homme (*1966). Ausgangspunkt seiner vielschichtigen Untersuchungen bilden die Megalopolen. Als faszinierende Zonen urbaner Progression bilden diese komplexen, höchst lebendigen Territorien beständig diffuse Bereiche des Übergangs aus und ermöglichen so als transistorische Orte neben Selbstlokalisierung auch die Reflexion über Raum und Grenzen eigener Verkörperung. Um die Ballungsräume topographisch verfügbar halten zu können, setzt Prud’Homme mit dem akribischen Studium kartographischen Materials ein und eignet sich einzelne Fragmente mittels Fotografie visuell an. Zur Strukturierung des Raumes überführt er das zweidimensionale Anschauungsmaterial schließlich in serienmäßig erstellte, handhabbare Modelle mit divergierenden Maßstäben, die einer privaten Enzyklopädie einverleibt werden. Dabei geht es dem Künstler nicht um mimetische Wiedergabe oder um Simulation im Detail. Entscheidend ist vielmehr ein transformatorisches Moment, das sich gerade in der Schaffung von assoziativen Vorstellungsräumen und Denkbildern niederschlägt. So erweisen sich die künstlerischen Modellwelten als untrennbar durchdrungen von Realität und Vision, Materialität und Virtualität oder, wie Prud’Homme formuliert, als „gleichweit entfernt von konkreter und imaginierter Welt“.

Tatsächliche und erdachte topographische und architektonische Gegebenheiten verhandeln auch die Bestandteile eines installativen, multimedial inszenierten Ensembles, das Prud’Homme jüngst im Kunstverein…

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von Marcus Lütkemeyer

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