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Titel: Zürich · S. 300 - 301
Titel: Zürich , 1990

Martin Heller
Volker Heinze

Ahnungmuseum für Gestaltung, Zürich, 21.4.-17.6.1990

Die Installation, die Volker Heinze (geb. 1959 in Duisburg, lebt in Essen) in Zürich zeigt, legt Schichten gemeinsamer Erinnerung frei. „Ahnung“ umfasst insgesamt 28 Arbeiten; rund die Hälfte davon ist in der Ausstellung zu sehen. Ein auf Abstand bedachtes Werk: anstelle von Klarheit kompakte Schleier, statt Prägnanz der Rekurs auf Mehrdeutigkeit und Latenz. Es ist, als ob diese Bilder mit einem Prozess langsamen, tastenden Sehens und Erkennens rechnen. Andeutungen, Nahtstellen, Verweise, Konstellationen, Spuren – Projektionen eines unsichtbar Gegenwärtigen. Heinzes Thema ist die Geschichte. Jene Geschichte bedrückender Macht, die unsere Leben zurichtet und dennoch unfassbar scheint, als gleichsam anonymes Schicksal auftritt. „Ahnung“ liest die Geschichte Deutschlands im Berlin der ausgehenden achtziger Jahre. Dieser Ort produziert eine Symbolik unvergänglicher Grösse. Er stellt Fallen, die gerade jetzt, vor einer Annektion, die Wiedervereinigung heisst, bereits zugeschnappt sind. Das Wagnerdenkmal, Sachsenhausen, Gedenkstätten und Plätze offizieller Geschichtsschreibung verkörpern ein Erbe, dessen Annahme niemand verweigern kann. Zu reden bleibt jedoch über die Bedingungen solcher Erbschaft und über das, was damit anzufangen wäre. Erinnerung zwingt zu einem Standort in der Gegenwart. Nicht nur in Deutschland, nicht nur in Berlin – Länder und Orte sind letztlich austauschbar. Darum wäre es falsch, Volker Heinzes Fotografien gleichsam als Bidlerrätsel zu lesen, die der Entschlüsselung bedürfen. Es gibt keinen Schlüssel. Es gibt nur die Möglichkeit, in diesen Bildern nach dem zu suchen, was uns im Zeichen historischer Jubelfeiern, nationalistischen Taumels und dem Mythos des einen, unbeschädigten Bildes vorenthalten wird: nach der Verbindlichkeit des einzelnen Ereignisses,…


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