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Essay · S. 241 - 247
Essay , 1988

Arthur Schopenhauer zum 200. Geburtstag
Vom Sein ins Sehen flüchten

Florian Rötzer über die Aktualität der
Schopenhauerschen Ästhetik
Sowie ein Gespräch mit Wolfgang Hildesheimer

Arthur Schopenhauer, geboren am 22.02.1788, ist gleichzeitig einer der populärsten Philosophen gewesen und hat doch mit seiner Philosophie kaum direkt gewirkt. Der Schatten von Nietzsche, in fast allen seinen Grundthesen ein Schopenhauerianer, wenn auch ein widersprechender, hat ihn dann zudem überdeckt. Nicht mit seinem traditionellen System, das eigentlich, wie er selbst sagt, nur einen einzigen Gedanken in seinen Konsequenzen ausführt, hat Schopenhauer auf die kommende Zeit gewirkt, sondern er traf eine Stimmung und Befindlichkeit, die, obgleich aus anderen Gründen motiviert, immer noch greift. Schärft man den Blick, so wird man bei vielen, die nach ihm kamen, noch bis in Redewendungen hinein Einflüsse bemerken können, auch wenn in aller Regel sein Name nicht fällt. Sein radikaler Pessimismus, verbunden mit einer Metaphysik des irrationalen Willens, hat nicht nur den Auftakt zur radikalen Vernunftkritik eingeleitet, wie sie, über Nietzsche vermittelt, noch heute wirksam ist, sondern die existentielle Ausrichtung seines Denkens hat vor allem immer die Künstler angezogen. Jean Paul, Wagner, Raabe oder Tolstoi sind erste Beispiele für solch eine Affinität gewesen. Angezogen hat die Künstler sicher seine Bewertung der Kunst als der „tiefsten und wahrsten Erkenntnis vom eigentlichen Wesen der Welt“. Zwar hatte auch die Romantik, Schelling etwa, eine Aufwertung der Kunst vollzogen, die sich parallel mit der Krise der Geschichtsphilosophie vollzog, aber die Position von Schopenhauer ist radikaler, weil er die Philosophie aus philosophischen Gründen durch den…


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