Gespräche mit Kunstvermittlern · von Claudia Wahjudi · S. 422
Gespräche mit Kunstvermittlern , 2006

Claudia Wahjudi

Von Klangkunst und Klang in der Kunst

Ein Gespräch mit den Kuratoren von „sonambiente festival für hören und sehen“, Berlin

Fast zeitgleich zur Fußballweltmeisterschaft fand in Berlin das zweite „sonambiente Festival für Hören und Sehen“ statt. Rund 40 internationale Künstler und 20 Studenten der Klangkunst gaben Konzerte und Performances und stellten vom 1. Juni bis 16. Juli in Kulturhäusern, ungenutzten Gebäuden, auf öffentlichen Plätzen und im Internet klingende Arbeiten aus. Wie schon 1996, als sonambiente auf Berliner Baustellen und Brachen einen Kanon der Klangkunst versuchte, sollte das Festival aktuelle Tendenzen zeigen, dieses Mal etwa den Gebrauch von Sounds in der bildenden Kunst. Verantwortlich waren Matthias Osterwold, Leiter des Berliner MaerzMusik-Festivals, und der Wiener Künstler und Projektraumleiter Georg Weckwerth, die bereits 1996 zum Kuratorenteam gehörten. Die Platzierung von sonambiente zur WM erwies sich übrigens als zweischneidig: Zwar erlaubte das Sportspektakel viele Arbeiten zu akustischen Aspekten von Fußball, kostete aber sonambiente und andere Veranstaltungen in Berlin viel Publikum.

Herr Osterwold, Herr Weckwerth, warum ausgerechnet jetzt eine zweite Auflage von sonambiente, zehn Jahre, nachdem das Klangkunstfestival zum 300. Geburtstag der Akademie der Künste in Berlin 1996 erstmals stattfand?

Matthias Osterwold: Zehn Jahre sind ein guter Abstand, um Verschiebungen oder neue Akzente darzustellen. Der Begriff Klangkunst ist viel selbstverständlicher geworden. Und speziell in der bildenden Kunst kann man feststellen, dass Arbeit mit Klang weiter an Bedeutung gewonnen hat. Kaum eine Ausstellung ohne klingende Arbeiten, manchmal sogar dort, wo vorwiegend Malerei gezeigt wird. Die Tendenz, die Disziplinen zu entgrenzen, ist inzwischen sehr, sehr weit verbreitet.

Georg Weckwerth: Zum…

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