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Kommentar · S. 320 - 321
Kommentar , 1989

Vorschlag zur Ehrenrettung

Karlheinz Schmid über die Hanseaten

Nein, die feine hanseatische Art war das nicht. Wer derart rüde mit seinen Beratern umgeht, disqualifiziert sich selbst. Wer Menschen scheibchenweise abserviert, darf sich nicht wundern, wenn sie dann sogar einer Einladung zum Versöhnungstrunk mißtrauen und lieber zu Hause bleiben. So reagierte jedenfalls der Ausstellungsmacher Christos M. Joachimides, als ihn der Hamburger Kultursenator Ingo von Münch eine Stunde lang per Telefon zum Flug nach Hamburg überreden wollte. Dort sollte Joachimides nicht nur als Stargast eines Insider-Treffens zur Kunst im öffentlichen Raum auftreten. Dort hätte er außerdem seinem Kollegen Harald Szeemann gratulieren können, der schließlich den Auftrag zur Planung der Eröffnungsschau in den Hamburger Deichtorhallen (KUNSTFORUM, Bd. 96, Seite 335) erhalten hat. Ein Auftrag, für den Joachimides monatelang beansprucht wurde, für den er laut Ingo von Münch „der Favorit“ war.

Deichtorhallen-Geschäftsführer John-Erik Berganus, ein Mann mit Ambition, mochte sich für diesen Favoriten allerdings nicht entscheiden. Er plädierte für Szeemann, der angeblich billiger plant und auch schon, freilich nur im geheimen, eine Künstlerliste präsentiert haben soll. Den Köpfen der Hamburger Kulturbehörde war die überraschende Wende in der Deichtorhallen-Personalpolitik durchaus recht, denn sie hoffen, Szeemann für ihre Kunst im öffentlichen Raum gewinnen zu können. Dabei haben die Hanseaten jedoch vergessen, daß auch Joachimides etwa mit Richard Serra gearbeitet hat, daß sich Millionen-Projekte dieser Art stets höher oder niedriger kalkulieren lassen (Joachimides: „Eine Frage des Anspruchs“), daß schließlich gerade Joachimides jeden Grund hatte, seine Künstlerliste nicht preiszugeben, sondern zunächst den Vertrag sehen wollte.

Immerhin, wer mag das schon vergessen, haben…

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