Ausstellungen: Berlin · von Jutta Schenk-Sorge · S. 310
Ausstellungen: Berlin , 2000

Jutta Schenk-Sorge

Walter De Maria

»The 2000 Sculpture«

Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, 3.3. – 27.8.2000

Selten spielen Architektur und Skulptur wohl so gelungen zusammen wie bei der derzeitigen Inszenierung von Walter De Marias 500 Quadratmeter beanspruchender Bodenskulptur in der transparenten Leichtarchitektur der ehemaligen Bahnhofshalle. Der sakral anmutende Raum potenziert das in den minimalistischen Formen latent vorhandene „Bedeutungspathos“ und steigert es zum Paradox sublimer Wirkungsmächtigkeit. Die schiere Fläche des makellos weißen Feldes, der Sog der Perspektive in die Tiefe gen Unendlich und die Unmöglichkeit, das Ganze optisch zu erfassen und im Geiste auf Normalmaß zurechtzustutzen, also in den Griff zu bekommen, lassen ein Gefühl der Überwältigung entstehen. Es ist beeindruckend, wie sich an den zweitausend nur geringfügig variierenden geometrischen Formstücken aus Gips und Hydrocal eine Auratisierung vollzieht, die ihre schlichte Materialität aufhebt. Die Skulptur fordert, wie meist bei De Maria, die Wahrnehmungsfähigkeit des Betrachters heraus und stimuliert seine Selbsterfahrung. Dabei geht alles durchaus mit rechten Dingen zu. 2000 einen halben Meter lange Elemente mit 5, 7 oder 9 Seitenkanten liegen in zwanzig Reihen à hundert Stück in Fischgrätmuster verteilt aus. Es ist schwer zu begreifen, dass dieses einfache, rationale Konzept solche Wirkungsmöglichkeiten birgt. Wie häufig bei De Maria schlägt das rational völlig durchschaubare geometrisch-mathematischen System in der optischen Wahrnehmung in eine andere Qualität um. Die Arbeit knüpft in vielen Aspekten an vorausgehende Werke an, wie den „Broken Kilometer“ von 1979 oder die Rotterdamer Skulptur „A Computer Which…“, 1984. Die zeitgleich mit „The 2000 Sculpture“ entstandene Arbeit „The 5-7-9 Series“ in der Berliner Gemäldegalerie weist zwar…

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von Jutta Schenk-Sorge

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