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Magazin: Symposien & Kongresse · von Heinz-Norbert Jocks · S. 411 - 411
Magazin: Symposien & Kongresse , 1992

Heinz-Norbert Jocks
Was heißt »Paralleles Denken«

nach Joseph Beuys?

Anmerkungen zu einem Symposion in Düsseldorf

Was denn wohl von Beuys ohne Beuys übrigbleibe, ist seit dem Tod des Schamanen, nicht nur wenn es um den Aufbau von Ausstellungen geht, eine der Standardfragen. In Düsseldorf, wo man sich zu Lebzeiten mit dem letzten Querdenker nie so recht anzufreunden verstand, hat man dessen internationalen Einfluß auf die Moderne unserer Epoche mehr als nur unterschätzt. Und trotzdem ist die Stadt voller Erinnerungen an den vom „erweiterten Kunstbegriff“ beseelten Filzhutträger. Sein Werk sucht den Kontakt zur Vorzeit, wiederbelebt den alten Zwist von Mythos und Logos, da es im Umkreis hinfälliger Materialität nach einem neuen Menschen sucht.

Auch wenn Beuys das Wort „Hoffnung“ mied, weil er befürchtete, daß sich mit diesem der Aufschub des heute bereits Möglichen verband, so wirkte er doch wie ein romantischer Utopiker und insofern von vornherein verdächtig. Wenn er, um vor atomarer Katastrophe zu warnen, jedem eine Bombe im Kühlschrank empfahl, wie in einem philosophischen Seminar von Rudolph Heinz geschehen, war dieser Zynismus nicht nur therapeutischer Art, sondern ein sich tief ins Gedächtnis eingrabender Hinweis auf das Fehlen sinnlicher Erfahrung. Daß der „soziale Plastiker“ in der Stadt, in der er lehrte, seitens der Politiker auf Schwierigkeiten stieß, weil er die Tore der Akademie öffnete, zeigt nur, daß sein Weltverständnis sich nicht auf die Kunst alleine beschränken ließ. Was er erhoffte, war die Wiedererlangung eines umfassenderen, aus Kants „Schematismus der reinen Vernunft“ befreiten Begreifens.

Alles, was er sagte, transzendierte den konventionellen Reduktionismus. Insofern macht es Sinn, über…


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von Heinz-Norbert Jocks

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