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Magazin: Symposien & Kongresse · von Ingo Arend · S. 429 - 429
Magazin: Symposien & Kongresse , 1994

Ingo Arend
Was wird, was bleibt

Wie gehen Künstler mit Geschichte um?
Eine Tagung der Evangelischen Akademie Mülheim mit Christa Wolf

Das Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen. Wir trennen es von uns ab und stellen uns fremd.“ Der Einleitungssatz aus dem Roman „Kindheitsmuster“, mit dem Christa Wolf 1976 die DDR mit dem Thema verdrängter Erinnerung konfrontierte, umreißt, was sich die Mülheimer Tagung fragte. Zu Literatur verdichtet, machen Künstler Geschichte erinner- und nachvollziehbar. Doch inzwischen wirkt Christa Wolfs Satz fast wie die Beschreibung des neuen Kalten Krieges, diesmal im deutschen Einheitsstaat.

Auf einem ihrer ersten öffentlichen Auftritte seit dem Aufenthalt in den USA und der Diskussion um ihre Stasi-Akten zu Beginn des Jahres wirkte sie konzentriert, selbstbewußt und mit sich im reinen. Auf einer Tagung der Evangelischen Akademie in Mülheim an der Ruhr Ende Dezember 1993 zum Thema „Erinnerungsarbeit – Wie gehen Künstler mit Geschichte um?“ warnte Christa Wolf vor der neuerlich grassierenden deutschen Krankheit, Erinnerung zu verdrängen. Sie kritisierte die westdeutsche Haltung, den Bürgern im Osten ihre notwendige Erinnerungsarbeit an die DDR, wie sie sagte, „in den Hals zurückzustoßen“. Christa Wolf: „Ich habe mich gefragt, ob wir es eigentlich nötig haben, daß wir jede Erinnerung, die wir produzieren, reproduzieren sofort als Nostalgie diffamieren. Für mich ist die große Frage jetzt eigentlich nicht, was bleibt, sondern was wird. Und die ist aber unmittelbar abhängig von der Frage, was bleibt und wie wir diese Frage beantworten.“

Ausgerechnet der in den 70er Jahren aus der Sowjetunion ausgebürgerte Literaturwissenschaftler Efim Etkind, jetzt Professor in…



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