Essay , 2014

Wer spricht in der Kunst?

von Roland Schappert

Die einfach zu stellende Frage „Wer spricht in der Kunst?“ verhallt zunächst im übervollen Betriebszirkus. Am besten stellt man dort diese Frage nicht oder streicht das Wort „Kunst“. Der Betrieb läuft und läuft, wozu braucht man da Grundsatzfragen, Selbstbesinnung und Reflexion? Wer wollte oder könnte sich nur auf sich selbst besinnen und wieder von sich absehen, um die Kunst sprechen zu hören? Und wenn das doch sinnvoll und machbar wäre, wen würde man dann sprechen hören in der Kunst? Wenn wir das wirklich wissen wollen, müssen wir zunächst einen Zugang zur Sprache der Kunst finden und uns fragen, wer denn am ehesten in der Lage sein könnte, herauszuhören, wer in der Kunst spricht.

WAS UNS AUS MACHT

Wenn es stimmt, was der Kunstkritiker Jörg Scheller beschreibt, dass zeitgenössische Kunst längst ein „touristischer Breitensport“ geworden sei, bei dem dann jeder Laie gleichermaßen mitreden kann wie beim Fußball, dann scheint es mir bemerkenswert, wenn ein Kritiker, der den Betriebsstrukturen doch gar nicht entkommen kann, von sich selbst behauptet, am liebsten „eine unattraktive Nervensäge am Rande des Spielfeldes“1 sein zu wollen mit der weiterführenden Erkenntnis: „Wird sie (die Nervensäge) zu oft zu den Partys eingeladen, macht sie irgendetwas falsch.“2 Also gibt es sie doch die kritische Suche nach Distanz und Reflexion im doppelten Sinne des schnell gesprochenen WAS UNS AUS MACHT. Wenn sich der Kunstkritiker nicht als bloß innerbetrieblich organisierter „embedded journalist“3 versteht und sich nicht abwechselnd als Freund des Künstlers und Kurators oder als Teilzeitangestellter irgendwelcher Galeristen…

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