Kunstforum-Gespräche , 2014

Wider die Gesetze des modischen Mittelmaßes

Jörg Johnen im Gespräch mit Ronald Berg.

Vor dreißig Jahren eröffnete die Galerie Johnen+Schöttle in Köln. Seit dem Umzug nach Berlin 2004 betreibt Jörg Johnen die Galerie ohne Rüdiger Schöttle weiter. Standort ist seit 2009 ein von Johnen gekaufter Altbau in der Marienstraße nahe dem Bahnhof Friedrichstraße, wo er auch seine Wohnung hat. Damit hat Johnen dem Wanderzirkus der anderen Galerien in der Stadt eine Absage erteilt. Die Wahl für den Standort lässt sich auch als programmatische Aussage lesen: Denn Johnen, Jahrgang 1948, sieht sich und seine Galerie als Außenseiter im Kunstbetrieb jenseits des Mainstreams. Trotzdem kann die Galerie mit einer prominenten Künstlerliste von Martin Boyce bis Liu Ye aufwarten, und sie hat etliche bekannte und weniger bekannte Künstler aus Osteuropa im Programm wie Robert Kusmirowski aus Polen oder Stefan Bertalan und Florin Mitroi aus Rumänien. Gerade wurde die im Hof gelegene Remise als Erweiterung der Galerieräume mit einer Ausstellung des Turnerpreisträgers Martin Creed eröffnet. Im Haupthaus findet derweil die Jubiläumsausstellung statt. Sie zeigt Arbeiten, die ins Frühwerk jener Künstler gehören, die für Johnen und seine Galerie eine wichtige Rolle spielten. Zu sehen sind u.a. Arbeiten von Katharina Fritsch, Rodney Graham, Thomas Ruff und Jeff Wall.

***

Ronald Berg: Wollten Sie eigentlich schon immer Galerist werden?

JÖRG JOHNEN: Das war lange Zeit nicht definiert. Als ich 1984 als Galerist angefangen habe, war der Kunstmarkt noch komplett anders als heute. Damals habe ich das gemacht, weil ich mich für eine gesellschaftliche Vision begeistern konnte. Der Markt war zweitrangig.

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