Gespräche mit Galeristen · S. 285
Gespräche mit Galeristen , 1985

Wie ein alter Western

Ein Interview mit Hans-Jürgen Müller

KF:Herr Müller, Sie sind einer der wenigen innerhalb der Kunstbranche, die immer wieder aus den festgefahrenen Gleisen auszubrechen versuchen. Wie zu hören war, haben Sie Ihre letzte Ausstellung von Jan Knap ausverkauft. Und das am Eröffnungstage. An schlechten Geschäften kann es also nicht liegen, wenn Sie Ihre Galerie nach zwei Jahren wieder aufgeben. – Was also sind Ihre Gründe?

HJM:Nun, eine Ausstellung auszuverkaufen, noch dazu die eines so guten Künstlers, das ist heute keine Leistung mehr. Wir erleben augenblicklich den größten Kunstboom in der Bundesrepublik Deutschland seit dem Kriege. Wahrscheinlich den größten überhaupt, seit es Kunsthandel gibt.

Das, was Ende der fünfziger Jahre von Galeristen wie Jean-Pierre Wilhelm, Schmela, Zwirner, Kowalleck und mir – aber auch von Museumsleuten wie Wember, Kultermann oder Weiler und Ausstellungsmachern wie Schmalenbach, Rüdlinger oder Honisch eingeleitet wurde, dieser erste Impuls hat sich ausgewirkt wie der vielzitierte Stein, den man in den See wirft. Die Wellen sind gewissermaßen am Ufer angekommen. Kaum eine Stadt, in der es heute keine moderne Galerie gibt und die Bundesländer überbieten sich mit ihren Ausstellungsaktivitäten. Man wäre völlig ausgelastet, würde man auf die Idee kommen, auch nur annähernd die wichtigsten Veranstaltungen besuchen zu wollen.

All das hat zu einem neuen, besseren Verhältnis der Gesellschaft zur aktuellen Kunst geführt, aber auch zu einer weniger kritischen Haltung. Sieht man einmal von so extremen Beispielen wie der Skulptur von Serra in Bochum ab, so bleiben die Bürgerproteste weit hinter denen der vergangenen Jahre zurück. In Ausstellungen und seien sie noch…

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