Magazin , 2005

Ursula Maria Probst

Willkommen in der Wüste des Realen

Mit dem Titel „Willkommen in der Wüste des Realen“ zitiert Slavoj Zizek den Erfolgsfilm „Matrix“ (1999) der Brüder Wachowski in dem die materielle Realität von einem Megacomputer virtuell generiert wird. Als der Held in die „wirkliche Realität“ vordringt, wird er vom Anführer des Widerstandes mit dem ironischen Gruß: „Willkommen in der Wüste des Realen“ begrüßt. Die psychoanalytische und philosophische Akribie mit der Slavoj Zizek den Kampf gegen den Terrorismus und den Irakkrieg auf die Verflechtungen zwischen dem globalen Kapitalismus und dem Fundamentalismus zurückführt, bildet im Wechselspiel mit cineastischen Referenzen die Matrix einer effizienten Ideologiekritik.

Für die große Mehrheit der Öffentlichkeit war der Einsturz des World Trade Centers ein TV-Ereignis. Die häufig hergestellte Parallele zwischen den Katastrophenfilmen Hollywoods und den terroristischen Anschlägen findet eine eigentümliche Wendung darin, dass der Pentagon im „Krieg gegen den Terrorismus“ Hollywood um Unterstützung bat. Eine auf Katastrophenfilme spezialisierte Gruppe von Regisseuren wurde herangezogen, um sich mögliche Szenarien terroristischer Anschläge auszumalen. In der Bereitschaft Hollywoods den „Krieg gegen den Terrorismus“ durch die Verbreitung von rechten ideologischen Botschaften zu unterstützen, sieht Zizek den Beweis dafür, dass Hollywood wie ein „ideologischer Staatsapparat“ funktioniert.

Eines lässt sich nicht leugnen, nämlich, dass mit dem 11. September fantasmatische Bildschirmerscheinungen in unsere Realität eindrangen. Nicht die Realität fand Eingang in unser Bild, sondern das Bild drang ein und zerstörte unsere Realität und somit die symbolischen Koordinaten, die bestimmen, was wir als Realität erfahren. Dieser „Effekt des Realen“

unterscheidet sich allerdings von dem was Roland Barthes in den 1960er Jahren…

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von Ursula Maria Probst

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