Gespräche mit Galeristen , 1996

»Wir leben in einem komischen Land, wo alles so merkwürdig unscharf und unausgesprochen ist. Elite soll nicht sein«

Heinz-Norbert Jocks sprach mit Michael Werner

Michael Werner, einer der angesehensten Galeristen auf der Welt, ist so etwas wie ein passionierter Überzeugungstäter und Klassenbester im Plazieren von Künstlern auf höchstem Marktniveau. 1939 in Nauen bei Berlin geboren und seit 1958 im Kunstgeschäft tätig, volontierte er zunächst bei Rudolf Springer in Berlin. Während dieser Zeit entdeckte er Baselitz. 1963 eröffnete er zusammen mit Benjamin Katz, dem späteren Fotografen, eine Galerie auf dem Berliner Kurfürstendamm, 1964 alleine den „Orthodoxon Salon“. Später kümmerte er sich vornehmlich um seine drei Champions einer figürlichen Malerei, von denen zunächst kaum jemand Notiz nimmt, eben Baselitz, Lüpertz und der damals noch in der DDR lebende Penck. Ende 1968 zog Werner nach Köln um, wo er 1969 die Galerie Hake übernahm und mit Jörg Immendorff zusammenzuarbeiten begann. In den gleichen Jahren richtete er die ersten deutschen Einzelausstellungen von Marcel Broodthaers, James Lee Byars und Anselm Kiefer ein. Heute residiert er auf der Gertrudenstraße.

*

H.-N. J.: Herr Werner, was hat sich an der Marktsituation geändert, heute?

M. W.: Der Markt ist das, was die Leute haben wollen. Über den Markt rede ich nicht gern, weil er im Vergleich seines Auf und Ab in Hunderten von Jahren zur kurzfristigen Betrachtung nicht interessant genug ist.

Sie handeln seit einiger Zeit mit klassischer Moderne?

Klassische Moderne zeige ich erst seit einigen Jahren, hauptsächlich in meiner New Yorker Galerie, die ich 1990 eröffnete, um Informationen über die Entwicklung deutscher Malerei zu…

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von Heinz-Norbert Jocks

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