Ausstellungen: Berlin · S. 315
Ausstellungen: Berlin , 1990

Peter Funken

Wolfgang Anklam

»Anklams Universum«

Bilderdienst, 26.1.- 17.3.1990

Bilderdienst“ ist der Name einer neuen, non-kommerziellen Galerie in Berlin, die Andreas Seltzer im Dezember 1989 eröffnet hat. In seiner zweiten Ausstellung präsentiert Seltzer das zeichnerische Werk des in Berlin lebenden Wolfgang Anklam. Der 1940 geborene Anklam ist Aotodidakt und gehört zu den eigenwilligen Ausnahmeerscheinungen, auf die man normalerweise nicht in Kunstgalerien stößt, weil sie mit ihren speziellen Manien oder außergewöhnlichen Obsessionen in keines der herkömmlichen Raster passen. Anklam zeichnet seit seinem zwölften Lebensjahr ununterbrochen. Zuerst kopierte er Landkarten; heute zeichnet er ausschließlich Schiffe, Flugzeuge, Raketen, Architekturen und Planeten. Vielleicht wäre dies noch nichts Besonderes, wären da nicht die immense Kontinuität und Schaffenskraft des Graphikers, der mittlerweile über 100 000 Blätter im Stil der technischen Zeichnung verfaßt hat, die alle im gleichen Maßstab gezeichnet sind. Anklam ist somit im Begriff, einen „obis pictus tecnicus“, ein mit dem Rapidographen verfertigtes Universum, zu erschaffen. Der „Bilderdienst“ zeigt an die 1000 minutiöse Auf- und Ansichten aus Anklams Weltbild: kartographisch erfaßte Landschaften von Java bis zu den Alpen, von der V2 bis zu den Cruise-Missiles, alle möglichen Kriegs- und Handelsschiffe, Bomber, Doppeldecker, Bohrtürme, aztekische Tempel, australische Sky-Scraper und Planeten wie Venus, Mars und Jupiter. Anklam benutzt als Vorlage für seine obsessive Beschäftigung Atlanten, Enzyklopädien, Fach- und Registerbücher des jeweiligen Untersuchungsgebietes und erschafft eine unübersehbare und letztlich auch unbegreifbare Bilderflut des Menschheitstraums „Technik“. In der Unspezifik dieser Verzettelung stellt sich die Frage nach deren Nutzen erst gar nicht. Zwar befragen mittlerweile auch Fachleute Anklams Archive, doch kann sich darin der…

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