Ausstellungen: Kassel , 1986

Johannes Meinhardt

Wols: Aquarelle und Druckgrafik

Neue Galerie Kassel, 15.11. 1985-19.1.1986

Wols, wie er sich ab 1937, zu der Zeit ein erfolgreicher Photograph, nannte, war schon als Neunzehnjähriger 1932 nach Paris gegangen; 1939, mit dem Beginn einer qualvollen Abfolge von Internierung, Flucht vor den Deutschen, Verbergen auf dem Land, Armut und Alkohol begann er – unter dem Druck der Verhältnisse und aus Mangel an anderen Möglichkeiten, seine Arbeit fortzuführen – viel zu zeichnen und zu aquarellieren: eine große Anzahl von Tuschzeichnungen und Aquarellen, die in hohem Grade als Protokolle psychischer Auseinandersetzungen verstanden werden können; sie stehen einerseits Klee nahe, andererseits auch surrealistischen Techniken des psychischen Automatismus. Dabei zeigt sich in den Jahren 1942 bis 1945 ein Immer-stärker-Werden einer ‚écriture automatique‘, eines Selbständigwerdens der Linie, die zu so etwas wie einem Instrument psychischer Forschung in den sehr kleinen Blättern dieser Zeit wird. Eine phantasmatische, beängstigende und sehr unmenschliche Welt, eine Welt von wuchernden und schlingenden vegetabilen Formen, die Empfindungen der Tiefsee auftauchen lassen: die Starre oder Langsamkeit der Gestalten und Bewegungen, ein blasses, durchsichtiges und getöntes Schweben, schwerelose Auswüchse und Verschlingungen; eine Welt, die zunehmend aus dem forschenden Schweifen der Feder hervortritt, sich den ’selbsttätigen‘ Erleuchtungen der Zeichenbewegung verdankt.

1945 kehrte Wols nach Paris zurück; da er in einem kleinen, aber erlesenen Kreis bekannt geworden ist (gleichermaßen durch seine Aquarelle wie als ‚peintre maudit‘), beginnt er 1946 mit ersten Ölgemälden, aber auch mit Illustrationen für Bücher seiner Freunde oder Bekannten und mit Graphiken. Er arbeitet fast ausschließlich mit der kalten Nadel – er benützt eine…

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