Magazin: Publikationen , 1998

Yves Michaud:
La Crise de l`Art contemporain

Daß Philosophen als Kunstkritiker auftreten, gehört in Frankreich zur Tradition. Daß aber jemand, wie Yves Michaud, mit größter Selbstverständlichkeit zwischen beruflichen Positionen und wichtigen Publikationen in beiden Welten hin und her wandert, aus diesem Zwischendasein jeweils Freiheit schöpfend, ist denn auch in Frankreich eine Besonderheit. Nach sieben Jahren als Direktor an der Pariser Ecole des Beaux Arts hat Michaud seit 1996 nun wieder seinen Lehrstuhl an der Sorbonne eingenommen. An der Ecole des Beaux Arts war er mit radikalen Neuerungen hervorgetreten, in seinen Publikationen kannte man ihn als Freidenker; mehrmals hatte er sich zum Thema Gewalt und Politik geäußert, zu „Hume et la fin de la philosophie“ zu „John Locke“, gleichzeitig aber zur Kunst und Kunstpolitik, etwa in „L`artiste et les commissaires“, „Sam Francis“, oder zur Frage, wie Kunst zu unterrichten sei in „Enseigner l`art?“, zu Fragen der Kunstkritik, in seinen „Marges de la vision“, um schließlich wieder sein altes Thema aufzugreifen und 1996 zu fragen, ob die Gewalt in der französischen Gesellschaft gezähmt sei („La violence apprivoisée“). All seine Untersuchungen, ob in der Philosophie oder in der Kunst, sind immer innerhalb gesellschaftlicher Zusammenhänge angelegt.

In seinem neuesten Buch analysiert Yves Michaud ausgehend von der großen französischen Polemik um das Ende der zeitgenössischen Kunst, die sich im vergangenen Jahr zugespitzt hatte, nicht nur die Debatte selbst, sondern diagnostiziert die Krise selbst. Mit dem Titel „La crise de l`Art contemporain“ legt er eigentlich gleich mehrere Bücher in einem vor: Wie ein Krimi liest sich der erste Teil,…

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von Doris von Drathen

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