Magazin: Publikationen · von Heinz Schütz · S. 458
Magazin: Publikationen , 1999

Zeige deine Wunde

Faschismusrezeption in der deutschen Gegenwartskunst

Die Debatte über die Errichtung des Berliner Mahnmals zur Erinnerung an die Ermordung von sechs Millionen Juden zieht sich inzwischen über Jahre dahin und ein Ende ist immer noch nicht abzusehen. Deutlich werden dabei nicht nur die politischen, sondern auch die künstlerischen Schwierigkeiten im Umgang mit der deutschen Vergangenheit. Ein kunsthistorisches und durchaus kritisch wertendes Buch wie Cornelia Gockels „Zeige deine Wunde. Faschismusrezeption in der deutschen Gegenwartskunst“ kann selbstverständlich keine einfachen Lösungen aus der verfahrenen Debatte aufzeigen, aber es vermag den Blick dafür zu schärfen, wie KünstlerInnen in jüngerer Zeit den deutschen Faschismus thematisierten und wenn die Denkmalsproblematik auch keineswegs im Zentrum der Untersuchung steht, wird sie doch an verschiedenen Stellen angesprochen. Gockel diskutiert die frühen Erinnerungsprojekte von Jochen Gerz und im Schlußkapitel ihres Buches wendet sie sich dem Berliner Mahnmal zu. Dabei spricht sie sich, nicht zuletzt im Verweis auf Renate Stihs und Frieder Schnock Bus-Vorschlag, für einen „erweiterten Denkmalbegriff“ aus, der das „aktive Insbewußtseinheben von Erlebnissen aus der Vergangenheit“ fördert. Gockels grundsätzlicher Skepsis in bezug auf Denkmale und ihrer Akzentuierung der aktiven Erinnerungsarbeit ist beizustimmen. Wenn sie individualpsychologische und gehirnphysiologische Argumente ansatzweise auf das kollektive Gedächtnis überträgt und auf Kulturgeschichte als „Aufbeungsort für die kollektive Erinnerung“ verweist, wirft dies, da es kein kollektives Gehirn gibt und Kulturgeschichte auf Geschichtsschreibung angewiesen ist, die Frage nach dem Träger der kollektiven Erinnerung auf. Eines steht fest: Für die Nachgeborenen ist dem KZ und den Vernichtungslagern nicht durch die Mobilisierung persönlicher Erinnerung beizukommen.

Gockel beginnt ihre Untersuchung…

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