Magazin: Kulturpolitik · von Klaus Honnef · S. 261
Magazin: Kulturpolitik , 1975

Zur Frage des Künstlerhonorars

Der Bonner Generalanzeiger interviewte Klaus Honnef in seiner Funktion als Pressesprecher der Internationalen Kunst-Ausstellungsleiter-Tagung (IKT) zur Künstlerhonorarfrage. Dieses Interview, das sich nicht in allen Punkten mit Honnefs privater Meinung deckt, drucken wir hier im Folgenden nach:

Frage: Der Vorsitzende des Deutschen Künstlerbundes, Otto Herbert Hajek, hat mitgeteilt, daß den Teilnehmern der Jahresausstellung des Künstlerbundes in Dortmund wieder- wie bereits im vergangenen Jahr in Mainz -ein Künstlerhonorar gezahlt wird. Wie stehen die Ausstellungsleiter zu dieser Idee?

Honnef: Im Prinzip positiv. Nur müssen wir scharf unterscheiden zwischen einem Künstlerhonorar und einer Leihgebühr für das Ausleihen von Kunstwerken. Die Internationale Kunst-Ausstellungsleiter-Tagung (IKT), als deren Pressesprecher ich fungiere, hat sich in einer Erklärung energisch gegen den erneuten Versuch des Künstlerbundes ausgesprochen, unter dem Deckmantel eines ‚Künstlerhonorars‘ tatsächlich eine Leihgebühr durchzusetzen.

Frage: Wo liegt der Unterschied?

Honnef: Gegen die Honorierung eines Künstlers, der etwa seine eigene Ausstellung aufbaut oder der im Auftrag eines Ausstellungs-Hauses ein Projekt entwirft, das kommerziell nicht verwertbar ist, ist gar nichts einzuwenden. Das wird in einigen Ausstellungs-Instituten sogar schon stillschweigend praktiziert. Gegen eine Leihgebühr für das Ausleihen von Kunstwerken hingegen müssen wir schwerste Bedenken äußern, solange einerseits Kunstwerke noch kommerziell verwertbare Objekte sind und durch eine Ausstellung in einem der sogenannten renommierten Institute sogar im kommerziellen Wert steigen. Schlagen Sie nur nach in den Künstlerkatalogen, was sich unter der Rubrik Künstlerbiographie tut, und fragen Sie ihn danach, weshalb die Ausstellungsliste jedesmal den Katalogen fast wie eine Fahne vorherschwebt. Außerdem, und das ist der gewichtigste Einwand, sind die Konsequenzen einer allgemeinen Einführung von…

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