Titel: Zur Theorie des Happenings , 1974

RAINER WICK

Zur Theorie des Happenings (1. Teil)

Im vierten Jahr nach der Retrospektive ‚Happening & Fluxus‘ im Kölnischen Kunstverein bringen wir einen zweiteiligen Beitrag ‚Zur Theorie des Happenings‘. Wir sind der Auffassung, daß das, was unter dem handlichen, aber nichtsdestoweniger unscharfen Begriff Happening subsumiert wird, auch weiterhin diskutiert werden sollte: nicht nur, um eine immer noch sehr unvollkommen rezipierte Entwicklung der sechziger Jahre unter historischer Perspektive zu rekonstruieren, sondern auch, um Quellen der Impulse heutiger Kunstaktivitäten mit Aktionscharakter zu reflektieren.

Eine Theorie im Sinne eines umfassenden, geschlossenen Systems will und kann dieser Beitrag nicht leisten. Dazu ist nicht nur dieser Rahmen zu begrenzt, auch sind die Probleme zu vielgestaltig und uneinheitlich. Wohl aber soll versucht werden, einige zentrale Fragen so zu strukturieren, daß zumindest ein Theoriehorizont erkennbar wird.

In Teil 1 geht es vor allem um eine Systematik der Phänomene sowie um historische Bezüge und formale Aspekte. Teil 2 wird sich – abgesehen von einer deutlicheren Differenzierung zwischen Fluxus, dem klassischen Happening und dem Wiener Aktionismus – kritisch mit dem Anspruch der Bewußtseins- und Gesellschaftsveränderung durch Happenings und Aktionen, mit der Formel Kunst= Leben und mit Versuchen einer Neubestimmung künstlerischer Produktionsweisen durch Publikumspartizipation auseinandersetzen.

Die Mehrzahl der Künstlerzitate entstammt Tonbandinterviews des Verfassers mit den Künstlern.

Für die Überlassung umfangreichen Bildmaterials gilt der besondere Dank dem Happening Archiv Berlin.
Redaktion und Verfasser

1.

Es ist wahr, daß die Ausstellung ‚happening & fluxus‘ mindestens um fünf Jahre zu spät kommt…
Happening und Fluxus sind tot.
Wolf. P. Prange, NRZ vom 12.11.70

In dem Maße, wie sich die Kunst heute auf…

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