2014 - 230 – www.kunstforum.de
230

Konflikte

Zur existentiellen Notwendigkeit von Kunst

Konflikte können sich in vielfältiger Art und Weise zeigen, im zwischenmenschlichen Feld oder im globalen Rahmen zwischen Kulturen und Nationen. So verwundert es kaum, dass der Konfliktbegriff aufgrund ... WEITERLESEN der Vielzahl an Themen und der großen Anzahl der Beteiligten sehr diffus und undurchschaubar wirkt. Der vorliegenden Themenband versucht einen kleinen Überblick über die enorme Bandbreite zu vermitteln. Eine Ursache für die Konflikte unserer Zeit, von den ökologischen Fragen über die Finanzkrise bis hin zu den unzähligen Kriegen der Gegenwart, sieht der Philosoph Jacques Rancière in einem ambivalenten Demokratieverständnis: »Wenn seit Aufkommen des Wortes ›Demokratie‹ Einigkeit herrschte, dann darin, daß es verschiedene und gegensätzliche Dinge zum Ausdruck bringt: Das beginnt mit Platon, nach dem die Demokratie keine Regierungsform ist, sondern lediglich ein Vergnügen für Leute, die darauf erpicht sind, sich zu verhalten, wie sie wollen. Es wird fortgesetzt durch Aristoteles, der die Demokratie für eine gute Sache hält, solange man die Demokraten daran hindert, sie auszuüben und taucht schließlich bei Churchill wieder auf, die Demokratie sei die schlechteste aller Regierungsformen, mit Ausnahme aller anderen.« Eine derartige Ambivalenz kann den Ausgangspunkt zahlreicher Konflikte darstellen. Der einleitende Textbeitrag dieses Bandes von Oliver Zybok behandelt hauptsächlich zwei Themenbereiche mit großem Konfliktpotenzial, die von den Menschen am meisten gefürchtet werden, da sie ihre Existenz direkt beeinträchtigen und bedrohen können: die Faktoren »Kapital und Geld« sowie »Krieg und Gewalt«. Wie verhält es sich in diesen Kontexten mit moralischen Wertvorstellungen? Und wie kann man sich derartigen Konflikten stellen? Almut Linde betont in ihrem Text die Notwendigkeit von Kunst zur Reflexion von Konflikten. Auf ihre eigene künstlerische Arbeit verweisend, zeigt sie dabei die Diskrepanz zwischen individueller Vorstellung und Realität auf. Claudia Emmert untersucht den zeitgenössischen Diskurs über Affekte am Beispiel von sechs ausgewählten Künstlern. Als plötzliche Entladung von Emotionen geraten Affekte rasch außer Kontrolle und münden in Konflikten. Raimar Stange hebt in seinem Beitrag hervor, dass Ängste häufig Auslöser von Konflikten sein können. Dabei werden seiner Ansicht nach die Auslöser selten thematisiert, sodass Konflikte oftmals über Jahre hinweg andauern. Christian Fischer schreibt über Komponisten und deren Beziehungen zu Musikern und zum Publikum. Im Gegensatz zu anderen Kunstformen ist diese »Dreiecksbeziehung« eine besondere und seit jeher Ursprung zahlreicher Konflikte, was er an historischen Beispielen verdeutlicht. Jutta Zaremba setzt sich in ihrem Text mit »Katastrophen-Kreationen« auseinander, hier im Speziellen mit Beiträgen zum Nuklearunglück von Fukushima in der FanArt-Netzszene. Nora Sdun berichtet schonungslos und äußerst humorvoll aus der Sicht einer Galeristin über alltägliche zwischenmenschliche Konflikte im Kunstbetrieb. Dabei werden einmal mehr die vielfältigen Absurditäten auf dem Markt der Eitelkeiten offensichtlich. In ihrer Gesprächsrunde mit den Künstlerinnen und Künstlern Jakob Lena Knebl, Marianne Vlaschits und Katharina Thomas Zakravsky thematisiert Angela Stief am Beispiel von deren performativen künstlerischen Praxis die Bedeutung von Eskapaden in der Kunst und ihre Wirkung auf die Außenwelt. Roman Buxbaum dagegen führt ein sehr persönliches Selbstgespräch – zwischen dem in seiner Person vereinigten Psychiater und Künstler. Er spricht Dinge an, die einem jedem – in abgewandelter Form – bekannt vorkommen dürften. Den Abschluss bildet ein Gespräch mit dem in Wien lebenden Künstler Alexander Wolf, der in seinem Werk stets das Konfliktpotenzial von Ideologieversessenheit und einengenden Denkstrukturen offenlegt. VERBERGEN

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