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Gerhard Mantz gestorben

1. April 2021 · default

Gerhard Mantz, 1950 in Neu-Ulm geboren, hat schon früh die künstlerischen Möglichkeiten der Computertechnologie erkannt und für seine Arbeit nutzbar gemacht. Nach einem Malerei-Studium an der Kunstakademie Karlsruhe hatte er mit geometrisch exakten Objekten die Möglichkeiten der Monochromie im doppelten Sinn des Wortes auf die Spitze getrieben, wie 1985 bei einer Einzelausstellung im  Künstlerhaus Bethanien, Berlin, zu erleben war. Schon hier rührte Mantz an der Frage nach Grenzen und Verlässlichkeit von Wahrnehmung, die weiter sein Thema bleiben sollte und die er später mittels digitaler Techniken zu immer wieder überraschenden Extremen führen sollte.

Den Anfang markierten Gegenstände, die er auf Basis spontan am Bildschirm gezeichneter Lineaturen generierte. Die locker geschwungenen, mitunter verschlungenen Linien wurden rotiert; auf diese Weise entstanden dreidimensionale Gebilde. Stellte Mantz 1999 in einer Wanderausstellung, die ihren Auftakt in der Galerie am Fischmarkt, Erfurt, hatte,  „Virtuelle und Reale Objekte“ (so der Titel) nebeneinander, so verlagerte er den Schwerpunkt seiner Arbeit fortan komplett in den virtuellen Raum. Der Computer sei für ihn „zunächst ein neues und aufregendes Spielzeug gewesen“, bekannte Mantz anlässlich seiner Präsentation „Formen der Bewusstlosigkeit“ (2006) im [DAM] Berlin. Dann aber habe er den „Zugewinn an Komplexität“ erkannt: „Eine ungleich größere Zahl an Gedanken, Ideen und Entwürfen ließ sich mit Datenbanken verwalten und vergleichen.“

Die Kapazitäten der Rechner nutzte Gerhard Mantz für die Gestaltung fiktiver, nicht selten unterschwellig bedrohlicher Landschaften, wie er sie in der Gruppenausstellung „natürlichkünstlich“ (2001) zeigte. Das Dystopische, das sich in Werken wie „Heimtückische Hoffnung“ (1997) oder „Ende einer Welt“ (1998) andeutete, verdichtete sich in einer Folge quasi-witerlicher, frostkalter Szenerien, von denen Mantz 2010 einige unter dem Motto „Nach lautloser Explosion“ im [DAM] Berlin vorstellte. Dabei erinnerte eine Arbeit wie „Ahnungsvolle Beharllichkeit“ (2010) mit ihrem weiter und weiter verzweigenden Geäst an die Analogie zwischen digitalen Rechenprozessen und natürlichem Wachstum. Was wie gewöhnliche Lebenswirklichkeit aussieht, ist das Ergebnis binärer Operationen: Unter dieser Prämisse entstanden in den letzten Jahren seine „Avatare“ – Ansichten oftmals androgyn anmutender Wesen, deren Sexualität gerade zu erwachen scheint und die sich in surrealen Umgebungen bewegen. Dabei rekurrierte Mantz nicht zuletzt auf bekannte kunsthistorische Vorbilder, an denen er verdeutlichte, wie sehr das, was wir Wirklichkeit nennen, von Phantasien und Projektionen geprägt wird.

Ungebrochen aktiv ist Gerhard Mantz am 30. März während eines Telefongesprächs urplötzlich gestorben.

Dazu in Band 80 erschienen:

Dazu in Band 50 erschienen:


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