Historikerstreit

11. Dezember 2014 · Kulturpolitik

Seit Juni 2013 wird das ehemalige Deutschlandhaus am Askanischen Platz in Berlin umgebaut. Es soll ein Dokumentationszentrum für die 2008 gegründete Stiftung Flucht, Vertreibung Versöhnung (SFVV) aufnehmen. Im Mutterhaus der Stiftung, dem Deutschen Historischen Museum, sorgt derweil eine Ausstellung der Stiftung mit dem Titel „Gewaltmigration erinnern“ für Unmut. Sie dokumentiert u.a. die wechselseitige Vertreibung von Griechen und Türken aus den jeweiligen Nachbarländern ab 1923, die Aufteilung des britischen Kolonialreiches auf dem indischen Subkontinent in
Indien und Pakistan 1947 und die Vertreibung der Griechen aus dem türkisch annektierten Nord-Zypern nach 1960. Zoff gibt es darüber, wie die Darstellung der Vertreibung Deutscher aus dem heutigen Polen und die Vorgeschichte dieser Zwangsmigration aussehen sollte. Anführer der Kritiker ist Martin Schulze Wessels, Vorsitzender des Historikerverbandes. „Bei der Ausstellung ,Twice a Stranger’ konnte nur durch eine Intervention des ,Wissenschaftlichen Beraterkreises’ im letzten Moment verhindert werden, dass die Vertreibung der Deutschen durch Polen ganz ohne die Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs dargestellt wurde.“ Die Kritik richtet sich gegen den Stiftungsdirektor Manfred Kittel, der bei der Ergänzung der Ausstellung um Exponate aus dem eigenen, noch im Aufbau befindlichen Sammlungsbestand seine wissenschaftlichen Berater ignorierte.