Nomad St. Moritz

11. Februar 2019 · default

Kaum etwas ist so heiß umkämpft wie Messetermine. Ist einmal ein Platz etabliert, wird der verteidigt, damit sich die Galerien langfristig darauf vorbereiten können. Seit drei Jahren gibt es jetzt eine Boutique-Messe, die genau das Gegenteil verfolgt: NOMAD, eine Wandermesse, die keinen fixen Ort, keinen fixen Termin hat und sich noch dazu vom white cube abwendet, um stattdessen in geschichtsträchtigen Häusern zu gastieren. Die beiden Gründer Giorgio Pace und Nicolas Bellavance-Lecompte wollten einen Markt für „collectibles“, also Sammlungsstücke der angewandten Kunst, kombiniert mit Kunstwerken an der Grenze zum Design schaffen – und das ist ihnen perfekt gelungen.

Austragungsort von NOMAD St. Moritz ist die Chesa Planta in Samedan, fünfzehn Autominuten von St. Moritz entfernt. Der 1595 gebaute, ehemalige Stammsitz der Adelsgeschlechter von Planta und von Salis ist heute ein Museum für Wohnkultur der Engadiner Patrizier des 18. und 19. Jahrhunderts. Auch dieses Jahr ist wieder der Wintertermin gewählt, das tief verschneite Engadin ist die perfekte Kulisse für die oft opulenten Möbel. 25 Galerien zeigen hier in teilweise fix möblierten, ehemaligen Wohn- und Schlafzimmern, sogar in einer Küche und auf den Fluren hochwertige Leuchter, Tische, Sessel und Kunstobjekte. Da treffen die gewollt schrill-kitschigen Skulpturen von Milan Kunc auf die historischen Bauernmöbel (Galerie Andrea Caratsch, St. Moritz); der Kokosnuss-Leuchter des dänischen Designers Fos kontrastiert mit Rüschenvorhängen (Etage Projects, Kopenhagen) und Carsten Höllers Pilz-Teppich passt perfekt auf den jahrhundertealten Holzboden (Massimo De Carlo, Mailand). 3000 Besucher kamen dieses Jahr, der Eintritt ist frei, aber Gäste müssen sich vorab online registrieren. Der Flair dieses Ortes ist so überzeugend, dass NOMAD St. Moritz auch 2020 wieder stattfinden soll. NOMAD Monaco dagegen ist passé, stattdessen wurde gerade für September NOMAD Venedig im Palazzo Axel angekündigt. 2020 soll es weitergehen nach Südfrankreich – und die meisten Galerien wollen unbedingt mitziehen, so überzeugend ist das Konzept für Aussteller und Besucher. Übrigens wollen die beiden Gründer nicht von einer Messe sprechen: „Wir nennen NOMAD nicht eine Messe. Es ist ein showcase, fast wie ein Club.“