Berlin
Anna Jermolaewa
You can count on me
Galerie Molitor 7.2.–18.4.2026
von Jens Asthoff
You can count on me – du kannst auf mich zählen: Die beruhigende Botschaft, mit der Anna Jermolaewa (*1970 in St. Petersburg, lebt in Wien) ihre erste Einzelschau in der Galerie Molitor überschreibt, markiert eine Fallhöhe, die sich in ihren Arbeiten durchweg als trügerisch erweist. Auf komplexe, oft überraschende Weise thematisieren die Werke ambivalente Machtverhältnisse, die bloß scheinbar auf Vertrauen gründen, und spüren verborgenen Verwerfungen in lebensweltlichen und politischen Räumen nach.
Der eingangs zitierte Satz grundiert die Ausstellung auch akustisch, dringt als Soundkulisse aus dem Untergeschoss der Galerie in die übrigen Räume. Er entstammt dem titelgebenden, erstmals gezeigten Video You can count on me (2000), dem frühesten Werk der Schau. Darin rückt ein Spielzeug von Jermolaewas kleiner Tochter in den Mittelpunkt: ein Plüschschaf, das jene Wortfolge nach beherztem Knuddeln in quietschend-künstlicher Stimmlage aufsagt. Derselbe Effekt stellt sich ein, wenn man das Spielschaf zu Boden wirft, was das Kind rasch herausfand und bevorzugt tat. Die Künstlerin erkennt darin das komisch-groteske Momentum – und verdichtet es im einminütigen Video zum paradoxen, anrührend herzlosen Bild: Während sie das Stofftier wiederholt in den Kamerafokus wirft, spricht es in Erduldung des spielerisch brutalen Akts in Endlosschleife sein Zutrauen aus.
Im Eingangsbereich der Galerie – die Soundkulisse des Videos bereits im Ohr – steht man vor LAST SEEN SINCE 1970 (2025–), einer fortlaufenden Serie von Tierporträts. Jermolaewa, die ursprünglich Malerei studierte und heute konzeptuell arbeitet, hält darin in Aquarell und Tusche exemplarisch je eine Tierart fest, die seit…
IN DIESEM ARTIKEL
Wichtige Erwähnungen
Anna JermolaewaDAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN













