Berlin
Annika Kahrs
Off Score
Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart 14.11.2025–3.5.2026
von Ronald Berg
Auf dem Weg zur Ausstellung von Annika Kahrs muss man eine leere Halle im Ostflügel des ehemaligen Bahnhofs durchqueren. Hier hört man klassische Musik in schlechter Soundqualität unterbrochen durch kaum verständliche Durchsagen. Tatsächlich stammt der Ton-Mix aus dem Hamburger Hauptbahnhof. Die Soundinstallation ist bereits Teil der bislang größten Werkschau von Annika Kahrs (Jg. 1984) und dokumentiert die Absicht der Bahn, mit Musik unliebsame Menschen von Bahnhöfen zu vertreiben. Im Westflügel des Museums komplettiert sich Kahrs Installation. Hier hört man über Kopfhörer Interviews mit Verkäufer*innen der Straßenzeitung Hinz&Kunzt – offenbar die eigentliche Zielgruppe der Musikbeschallung, wie sie von ihrer Lieblingsmusik erzählen (My Favorite Music, 2020).
Die Soundinstallation zeigt exemplarisch, worum es Kahrs in ihren Arbeiten geht: um Musik, ja. Aber Musik ist eben nicht nur Klang sondern versammelt eine Vielzahl von Aspekten. Es gehe in ihren Arbeiten zur Musik, sagt Kahrs, auch um Räume und vor allem um Menschen. Das zeigt Kahrs im Hamburger Bahnhof etwa in einer Performance, wo zwei Klavierspielerinnen in einem geschlossenen Raum musizieren, die aber abrupt verstummen, sobald jemand die Tür öffnet. Auch hier ist Musik das Medium, was menschliche Verhaltensweisen offenbart.
Das Hauptstück von Kahrs Präsentation im Hamburger Bahnhof sind drei Filminstallationen. Auch hier geben bestimmte Orte den Anlass, worauf die von Kahrs vor der Kamera inszenierten Handlungen eingehen. Da hier auch das Filmische beteiligt ist, handelt es sich um den komplexesten Teil der Anstellung. Film, Musik und Handlung kreieren ein reiches Beziehungsgefüge zwischen Formen und Inhalten.
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