Kollaborationen
Teil 15: Aus dem Geist der Gemeinschaft

Die Video-Künstlerin und Essayistin Ursula Biemann verleiht Akteuren außerhalb des Kunstfeldes Stimme durch Co-Autor*innenschaft.

von Max GLAUNER

Künstlerische Zusammenarbeit als eine Form der Teilhabe sehen, Kollaboration als Partizipation auffassen und denken. Wer partizipiert mit wem? Ohne große Umschweife kommen wir darauf, dass durcheinanderkommt, was vorher klar geschieden sich gegenüberstand: der / die Künstler*in hier, das Material dort, der / die Protagonist*in und der / die Antagonist*in, die heroische, weil einsame Kraftanstrengung auf der einen und geformtes, gemeistertes, bewältigtes, überwältigtes Gegenüber auf der anderen Seite. Diese klassische Subjekt-Objekt-Gegenüberstellung gerät ins Wanken, wenn wir beiden Seiten eine gleichursprüngliche Teilhabe am künstlerischen Vorgang einräumen. Die Begriffe Interaktion, Kooperation, Kollaboration als Modi der Partizipation gelesen, veranlassen zum Perspektivwechsel.

In der Reihe Kollaborationen haben wir danach gefragt, welchen Anteil die Beteiligten an einer künstlerischen Zusammenarbeit haben, wie, mit welchem Ergebnis diese Zusammenarbeit zustande kommt und durchgeführt wird.

Künstlerische Zusammenarbeit, so hat sich im Verlauf der Reihe gezeigt, geht im Begriff der Kollaboration nicht auf. Emphatische künstlerische Zusammenarbeit findet vielmehr in dem Moment statt, wo das dialektische Subjekt-Objekt-Verhältnis verlassen wird, statt Dialektik Dialog waltet, sich gleichwertige Akteur*innen in einem Werk oder einer Aufführung zeigen. Ich habe dafür den Begriff des Kollaborativs geprägt.

Mit der Arbeit der Schweizer Video-Künstlerin, Autorin und Kuratorin Ursula Biemann bekommen wir in unserer Reihe eine Weise der Zusammenarbeit in den Blick, die neben ihrer Bildmächtigkeit, vor allem durch die Herangehensweise und Behandlung ihres Gegenstandes fasziniert und überzeugt, wobei mit dem Begriff „Gegenstand“ eine Objektivierung impliziert ist,…


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