Carina Brandes
Das Weg-nehmen, was schön ist
Ein Gespräch von Rosa Windt
Carina Brandes, 1982 geboren, entwickelt eine fotografische Praxis, in der Körper, Bewegung und Dunkelraum zu offenen, assoziativ verdichteten Bildzuständen verschmelzen. Ihre Arbeit steht in einer kunsthistorischen Linie körperbezogener Selbstinszenierung und autofiktionaler Verfahren, wie sie bei Ana Mendieta oder Francesca Woodman prägend wurden, zugleich aber auch in der experimentellen Tradition surrealer Fotografie, die mit Fragmentierung und Verunklärung etablierte Sehordnungen dekonstruiert. Brandes arbeitet ausschließlich analog und mit ihrem eigenen Körper sowie mit Körpern anderer Frauen. Dadurch entsteht ein performativer Raum, der den klassischen Male Gaze unterwandert und Nacktheit vielmehr als Arbeitszustand und Handlungsmacht begreift. Der Körper fungiert dabei nicht als Objekt, sondern als operativer Impuls, Affekte und ein kollektives Bildgedächtnis in den fotografischen Raum einzuschreiben. Doppelbelichtungen, Abdeckungen und Negativüberlagerungen erzeugen eine Ästhetik des Verschwindens, die in der Identität und Form instabil werden. Die Fotografie erscheint weniger als Abbild, denn als Spur eines Ereignisses, in dem sich Inszenierung, Zufall und körperliche Präsenz überlagern.
RW Der Begriff Autofiktion beschreibt eine Praxis, in der Leben und Alltag in die künstlerische Produktion integriert oder ein Teil davon werden. Vielleicht ist das ein Anknüpfungspunkt, an dem du arbeitest oder wie du Bilder erschaffst und Geschichten einbringst?
CB Es sind bei mir ganz verschiedene Dinge, die zusammenkommen, wie im Begriff Autofiktion auch, verschwimmt das Reale, wird weitergedacht, weitergefühlt, weiter visualisiert. Oft gibt es eine ursprüngliche Idee, die ganz grob als Skizze festgehalten wird. Das kann manchmal etwas nebenbei sein, Gesehenes, Gelesenes, wenn ich spazieren gehe. Ein Gedanke…
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