Hannover
Cauleen Smith
The Volcano Manifesto
Kestner Gesellschaft 12.12.2025–22.3.2026
von Rainer Unruh
Vorsicht, heiß! In den Räumen der Kestner Gesellschaft brennt’s. Echte Flammen züngeln aus den Kerzenskulpturen der Serie NONCONFIRMITY (2022 / 2024), und nebenan kracht’s gewaltig, wenn in der Videoarbeit My Caldera (2022) ein Vulkan zu einem dröhnenden Metal-Soundtrack rote Lavaströme erbricht. Cauleen Smith schreibt nicht nur die Naturgeschichte aus Schwarzer Perspektive um, wenn sie uns auffordert, Platons Höhle zu verlassen und Schutz im Berg zu suchen, statt seine Rohstoffe auszubeuten. Die Künstlerin setzt sich in ihrer ersten großen Ausstellung in Deutschland auch mit der Vergangenheit und Gegenwart der afroamerikanischen Community in den USA auseinander. Mit Diskriminierungen und Verbrechen, aber auch damit, wie aus der Auseinandersetzung mit den erlittenen Demütigungen ein neues Selbstbewusstsein erwächst, das einen frischen Blick auf die Welt ermöglicht.
Am Anfang war, auch hier, das Wort. Im Erdgeschoss ist eine Art Wohnzimmer aufgebaut, mit Sofas, einem großen Tisch und einem Plattenspieler. Man könnte Tage mit der Lektüre der ausgelegten Bücher verbringen, darunter Werke wie Becoming Human: Matter and Meaning in an Antiblack World (2022) von Zakiyyah Iman Jackson, einer wichtigen Stimme der Black Critical Theory. Man kann sich aber auch, neugierig geworden und beschwingt durch die aus den Boxen perlenden Rhythmen von Thomas Mapfumo, aufmachen, die weiteren Räume der Ausstellung zu erkunden, vorbei an einer Reihe von auffällig schwarzen Gouachen mit Buchcovern (Black Studies – Earth Studies, 2024) und einer von Cauleen Smith gestalteten Tapete: Pandanus Candelabrum (2023 / 2025) zeigt in stilisierter Form die gleichnamige Palme, an der sich…