Riehen / Basel
Cezanne
Fondation Beyeler 25.1.–25.5.2026
von Bettina Haiss
Mitte der 1880er Jahre hatte Paul Cezanne (1839– 1906) die traditionellen Mittel zur Erzeugung räumlicher Illusion hinter sich gelassen und auch die Lehren des Impressionismus zugunsten eines eigenwilligen Stils überwunden. Er selbst bezeichnete sich als „Primitiven“ mit einem „trägen Auge“, das die Verhältnismäßigkeit anatomischer Proportionen gerne außer acht lässt.
Eine spektakuläre Auswahl von 58 Ölgemälden und 21 Aquarellen aus Cezannes Spätwerk, darunter noch nie in Europa gewesene Leihgaben, versammelt die Fondation Beyeler und widmet erstmalig in ihrer Geschichte dem Vorreiter der Moderne eine monografische Schau. Dass mit ihm eine neue Malerei beginnt, erkannte Cezanne einst selbst mit prophetischer Weitsicht: „Ich bin der Primitive des Weges, den ich entdeckt habe“.
Im ersten Raum begegnet man zwei (von insgesamt fünf existierenden) Ausführungen der Karten spieler (1892–96). Das Kartenblatt in der Hand des linken Spielers ist zu den Betracher*innen ausgebreitet – und steht beinahe symbolhaft für Cezannes epochales Vorgehen, die Wirklichkeit in dynamisch kontrastierende Farbflächen aufzufächern. Während die Körperhaltung der beiden ins Spiel vertieften Männer aufrecht und statisch ist, vibriert der vom Licht gestreifte Ärmel am linken Bildrand durch viele Farbakzente. Sie treten in Korrespondenz zu den Farbflecken auf der Palette des daneben hängenden Selbstportraits (um 1890) und weisen auf die „taches“ – jene Farbflecken, die das Potenzial farblicher Modulationen enthalten, aus denen Cezanne seine Kompositionen erschafft.
Das „träge Auge“ Cezannes verweilt auf einem Detail, auf einem Ausschnitt, so dass mit der anhaltenden Dauer der Betrachtung das einzelne Element innerhalb des Ganzen übermäßige Bedeutung erlangt und in der…
IN DIESEM ARTIKEL
Wichtige Erwähnungen
Paul CézanneDAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN













