Charlotte Mew
Einige Arten zu lieben. Erzählungen
von Christina IRRGANG
„Sie ist so etwas wie die Cindy Sherman der Literatur“, bemerkt Ina Schabert in ihrem Nachwort des im Herbst 2025 im C.H. Beck Verlag erschienenen Buchs Charlotte Mew: Einige Arten zu lieben. Erzählungen. Und ja: Schaberts eindrucksvolles Statement über die englische Dichterin Charlotte Mew (1869–1928) löst sich im Lesen der von Raffinesse getragenen Erzählungen ein. Denn in den von Mew verfassten Texten mit Titeln wie Vorbei, Mademoiselle oder Schicksalhafte Treue scheint ein individuelles Timbre durch und es wirkt, als ob die jeweils erzählende Stimme unterschiedlichen Gesellschaftsräumen zwischen viktorianischem Zeitalter und Moderne entspringt. Mews Protagonist*innen zeichnen sich durch Vielstimmigkeit aus, die auf einem konstanten Wechsel zwischen Geschlechtern und Perspektiven basiert. In den Bezugnahmen ihrer Charaktere zueinander und Sicht weisen aufeinander kristallisiert sich vor allem die Stärke der von ihr in den Mittelpunkt gerückten Frauen heraus. Virginia Woolf bezeichnete die Zeitgenossin Mew wertschätzend als „die größte lebende Dichterin“. Charlotte Mews Texte, die für lange Zeit in Vergessenheit gerieten, wurden in den 1980er-Jahren in der feministischen Literaturszene wiederentdeckt. Mit dem Buch Einige Arten zu lieben, das eine Auswahl von Mews Erzählungen umfasst, erscheinen diese nun erstmals in deutscher Übersetzung, aus dem Englischen feinsinnig übertragen von Wiebke Meier. Umfasst wird das Buch von einem Schutzumschlag mit der Wiedergabe eines Aquarells, das die Künstlerin Dorothy Hawksley 1926 von der Autorin anfertigte. Charlotte Mew stand der Bildenden Kunst zeitlebens, bis sie sich nach dem Tod ihrer Schwester Anne selbst das Leben nahm, nahe. Anne war Malerin und Charlotte…