Digital Bodies
Teil 8: Der ekstatische Körper
Das neue Bild vom Menschen an
der Schnittstelle von Kunst, digitaler Technologie und Körperpolitik
Eine KUNSTFORUM-Serie von Magdalena Kröner
Dass Ekstase die Welt erlösen möge, davon träumte schon der junge Arthur Rimbaud, als er 1870 in „Soleil et chair“ schreibt:
„ (…) Der große Himmel ist offen! Geheimnisse sind tot. Der Frontmann stand, der seine starken Arme kreuzte In der großen Pracht der reichen Natur! Er singt… und die Wälder singen, und der Fluß rauscht Einen Song voller Glück, der am Tag geht nach oben! … – Es ist die Erlösung! Es ist die Liebe! Liebe die Liebe! …
O Pracht des Fleisches! O große Pracht! O liebende Wiederbelebung, Triumph der Dämmerung, Wo zu ihren Füßen Götter und Helden sich beugen, Callipygos weiß, und der junge Eros Entjungfert mit Schnee bedeckte Rosen, Frauen und Blumen, unter ihren Füßen schöne Blüten! (…)“
EKSTASE ALS EVENT
Heute scheinen Ekstase und Transgression üblichere Währungen geworden zu sein: vom Ausnahmezustand zum Event. Energy Healing, Entspannungstechniken, Körperarbeit, Urschrei, Reiki, Yoga – längst sind diese Themen als „Experiences“ aus dem medizinisch-therapeutischen Bereich als Trends im Kunstbetrieb angekommen. Die Isolation und die Kontrollzwänge der Pande-mie-Jahre münden in einem verstärkten Bedürfnis nach Community, Gemeinsamkeit und sinnlichen Körpererfahrungen auch im Kunstkontext.
In der Generation der Millenials sind außerdem eine Neueinschätzung von Work und Life, und ein geschärftes Bewusstsein dafür, wie wichtig Gesundheit und psychische und körperliche Unversehrtheit sind, zu beobachten. Aus diesem Wandel resultiert auch, dass verstärkt bislang dem Weiblichen, Häuslichen und Privaten zugeordnete, körperorientierte Themen wie Mutterschaft oder…
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