Die Ästhetik des Eros

Vulvalust bei Talaya Schmid und Pornophotographica bei Fritz Franz Vogel
von Paolo Bianchi

„Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können“, aus Also sprach Zarathustra von Friedrich Nietzsche. Und: „Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch.“1 Chaos ist mehr als nur Unordnung. Es ist eine kreative, lebensbejahende Energie. Es steht für Leidenschaften und Mut. Selbstverwirklichung entsteht aus innerem Chaos. Der tanzendende Stern ist ein Ideal der Selbstüberwindung und Schöpfung. „Tanzend“ meint Dynamik und Freiheit. Wer bereit ist, sich seinen inneren Konflikten und der Ungewissheit des Lebens zu stellen, kann etwas Großes erschaffen – einen „tanzenden Stern“. In der Metapher des tanzenden Sterns liegen poetische Kraft und Phantasie.

Kunst erfährt bei Nietzsche als einzig mögliche Sinnstifterin des Lebens eine zentrale Bedeutung. Wobei ästhetische Erfahrung bei ihm nicht nur erquickende Lebenszutat ist, sondern – als simultaner Vollzug von Sinnvernichtung und Sinnschöpfung – zur tragenden Lebenskraft avanciert. „Denn nur als ästhetisches Phänomen ist das Dasein und die Welt ewig gerechtfertigt.“2 Ohne Ästhetik und Kunst sind ein Sein und Tun nicht zu denken.

Zoon Politicos und Zoon Eroticos

In seiner niedlichen Form erscheint Eros – Gott der Liebe und der sexuellen Begierden – als geflügelter Jüngling. Mit Pfeil und Bogen trifft er die Herzen der Götter und Menschen und entfacht ihr Verlangen. In den frühen Mythen ist Eros jedoch eine kosmische Urkraft, die bereits vor den Göttern existierte. Er wird als ein aus dem Chaos hervorgehendes Prinzip beschrieben. Er verkörpert nicht nur romantische Liebe, sondern eine schöpferische Kraft, die Ordnung und Leben ermöglicht, wie auch Licht in die Welt und Struktur in die Leere bringt.

Den Surrealist*innen war es ein wichtiges Anliegen, die Liebe als künstlerische, ästhetische, existenzielle und politische Erlebensform darzustellen. So schreibt André Breton dem Eros die Bedeutung eines Leitsterns zu: „Die einzige Kunst, die des Menschen und des Raumes würdig ist, die einzige, die ihn weiter als die Sterne führen kann … ist die Erotik.“3 Bei den Surrealist*innen wird der Eros zu einer energetischen Quelle der Erneuerung erhoben. Stellen wir uns vor (in Widerspruch zu Freuds These, dass der Triebverzicht eine Grundvoraussetzung für die kulturelle Entwicklung sei), dass Erotik fundamental mit der Menschwerdung verknüpft ist, dann ist „der Homo sapiens nicht nur, wie Aristoteles richtig erkannte, ein Zoon politicos. Er ist erst recht ein Zoon eroticos“.4 Das ist zwar kein philosophischer Ausdruck, doch immerhin eine kreative Wortbildung, um den Menschen als ein von Leidenschaften geprägtes Wesen zu bestimmen.

Pleasure is the measure

Im vorliegenden Versuch zu einer Ästhetik des Eros werden zwei künstlerische Positionen, einerseits zur Vulvaphilie und andererseits zur Imagophilie, in wechselseitiger Betrachtung und Resonanz belichtet, in ihrem Eigensinn und in ihrer Vielschichtigkeit wahrgenommen. Gemeint ist hier ein Eigensinn „in der wohlwollenden Lesart des Begriffs, der persönliche Eigenschaften und eigene Bedürfnisse ebenso einschließt wie Geist und Sinnlichkeit, Selbstbewusstsein und Selbstaufmerksamkeit, dazu Beharrungsvermögen und Widerstandskraft.“5 Bei beiden geht es nicht nur inhaltlich um Leidenschaften, sondern sie sind auch mit Leidenschaft an ihrem ästhetischen Tun beteiligt. Was die Künstlerin Talaya Schmid und den Sammler Fritz Franz Vogel verbindet, ist, dass es in deren Wirken um Berühren und Betrachten geht. Sie wollen die Ästhetik eines taktilen und visuellen Eros erfahren und erfahrbar machen – in Leben und Kunst. Damit bringen sie die drei Dimensionen Leben, Kunst, Werk miteinander in Kommunikation, sie werden durch Performativität aufeinander projiziert und lassen ein Lebenskunstwerk entstehen.6 Sexualität ist der biologische Vorläufer der erotischen Liebe. Der Begriff geht auf lateinisch sexus = biologisches Geschlecht zurück. Sexualität überwindet biologische Grenzen. Erotik überwindet psychologische, also seelische Grenzen. „Wer sich nach Erotik sehnt, wünscht die Begrenzung seiner psychischen Individualität zu überschreiten.“7 Karoline Bischof, Schweizer Gynäkologin und interdisziplinäre Sexologin, spricht davon, dass „Leute stets davon ausgehen, dass Sexualität etwas Natürliches ist, also etwas, das man einfach kann“.8

Diese angeborene Sexualität erschöpfe sich jedoch im Akt, wie man ihn auch bei Hunden beobachten kann. Was darüber hinausgehe, müsse der Mensch erst lernen: Erotik, Berührung, Erregung, Verführung und Spiel. Also ohne Spüren, Fühlen und Denken keine erfüllte Sexualität. Spätestens hier wird klar, dass der Mensch nicht nur durch eine Naturkonstante bestimmt ist, sondern ihn auch die Kultur geprägt hat und prägt. Bei allen offensichtlichen Unterschieden sind Künstlerin und Sammler als Movens ihres ästhetischen Seins und Tuns durch drei Eigenschaften verbunden: Vergnügen (Pleasure is the measure), Spaß und Neugierde. Bei beiden steht der Leib als Spielzone für ästhetische Gestaltung im Vordergrund. Das erinnert an Nietzsche, für ihn ist der Leib nicht nur die „grosse Vernunft“, sondern ein ästhetischer Begriff, den er in Analogie zum Künstler, zur Künstlerin, setzt: „Er ist die kreative Instanz schlechthin, aus der alles, was überhaupt Sinn und Bedeutung haben kann, entspringt.“9 (Volker Gerhardt) In ihrem Wirkungsfeld zu Themen wie Sex, Erotik und Porno gehen beide forsch und einfallsreich zu Werke. Nach dem Motto: Let’s do it. Sie erkennen in ihrer ästhetischen Forschung einen Akt zum freien Willen. Gleichzeitig sind sie zum Widerständigen bereit. Sie verweigern sich, wenn man ihnen Regeln und Vorstellungen vorschreiben will, was sich sexuell für beide Geschlechter – in Ausübung und Darstellung – gehört und was nicht.

 

Sex als Steckspiel

Menschen während sexueller Aktivitäten rollen miteinander herum, lecken sich gegenseitig die Körper ab und stecken Körperteile oder Sextoys in die Öffnungen der anderen. Diese Form von Sex als Steckspiel ist sowohl in den Performances und Videos der Künstlerin Talaya Schmid wie auch in den Fotoinszenierungen und Stellungsvarianten im Besitz des Sammlers Fritz Franz Vogel ein wiederkehrendes Motiv [05 + 06]. Mit einer phänomeno logischen Perspektive auf das Œuvre der beiden wird hier ihre bedingungslose Hin- und Zuwendung zu Kunst und Leiblichkeit als ästhetische Erlebensform thematisiert.

Talaya Schmid kämpft dafür, dem Wort „Cunt“ die Bedeutung von Beleidigung zu nehmen, sondern es als Symbol für das Feminine und Feministische, für die Emanzipation zu verstehen. Das erinnert an jene eindrucksvolle Frau namens Kunti, die, wie ursprünglich (ca. 400 v. Chr.) im indischen Epos Mahabhrata beschrieben, ihre Sexualität frei und lustvoll auslebte.10 Übrigens bezeichnet der englische Begriff „Cunt“ Vulva und Klitoris und ist eine Art Zusammenfassung aller inneren gynäkologischen Organe.

Fritz Franz Vogel hält wenig vom koitalen Imperativ, vom Sex gleich Penis in der Vagina. Daher sammelt er bis heute kaum aktuelle Pornografie. Sie erscheint ihm zu abgeschmackt und ohne jegliche auratische Substanz. Ihn interessiert an der alten Pornophotographica die Inszenierung dessen, was unsichtbar bleibt. Aufgrund der langen Belichtungszeiten kommt es wegen des Wackeleffektes der Bilder nicht zur „Action“. Von Lust keine Spur.

Fluide Existenz & inszenierte Identität

Auf der einen Seite die feministische Künstlerin Talaya Schmid (* 1983). In der Schweizer Kunstszene und darüber hinaus gilt sie als die Lehrmeisterin / Expertin für erotisches Aufbegehren. Bekanntheit erlangte sie mit getufteten Vulven, sogenannten Soft Sculptures [07]. Sie verwendet Tufting, ursprünglich eine Technik zur Teppichherstellung, um farbenfrohe textile Manifeste, skulpturale Mode und Wandbilder zu erschaffen. Schmid ist Mitbegründerin und Kuratorin von Porny Days, einem seit 2012 jährlich in Zürich stattfindenden Film- und Kunstfestival zum Thema Sexualität und Geschlecht. In ihrem künstlerischen Schaffen zelebriert sie mit unterschiedlich gestalteten Vulven die Vielfalt von Körpern, überzeugt Menschen davon, Scham abzulegen und mit Stolz zu sagen: „Das ist mein Geschlecht, so bin ich.“ Auch weil sich erstaunlich viele – allen Mondkalendern, Menstruationsseminaren, Intim-Piercings und Feuchtgebieten zum Trotz – für ihre Scham schämen.

Für Schmid ist Kunst sowohl Körperkunst als auch Künstlerinkörper. Damit verbunden die Ein- und Vorstellung, auf diese Weise auf eine diverse und fluidale Existenz und Gesellschaft einzuwirken: mit „Viva la Vulva“ als popkulturell feministischer Kampfruf.

Auf der anderen Seite der fotohistorische Verleger und Sammler Fritz Franz Vogel (* 1957). Er publizierte als Kultur- und Bildwissenschaftler seine Dissertation zur inszenierten Fotografie unter dem Titel The Cindy Shermans. Inszenierte Identitäten. Fotogeschichte von 1840 – 2005. Vogel erwarb 2013 in Diessenhofen, nahe Schaffhausen, die ehemalige „Tigerfinklifabrik“ – ein renovierter Gewerbebau im Bauhausstil, in dem Finken (schweizerdeutsche Bezeichnung für Hausschuhe) mit Tigermuster hergestellt wurden. Hier richtete er sein Archiv mit über 10.000 Büchern zu Fotografie, Kunst und Sittengeschichte ein. So auch einen interdisziplinär bewirtschafteten Kulturraum für Ausstellungen, Vorträge und Theater. Vogels Interesse galt von Anfang an der Differenz zwischen zeitgenössischer und historischer Aktfotografie, was ihn dazu anregte, eine Sammlung frühen pornofotografischen Materials anzulegen und sich mit dessen Charakteristika auseinanderzusetzen.

Ästhetik der Vulva

Talaya Schmid hörte als Teenagerin Rap von Lil’Kim und Missy Eliot, sie trug Hoop-Ohrringe aus falschem Gold und atemberaubend hohe High Heels. Sie zog drei Mal pro Woche durch die Zürcher Clubs, fälschte deren Eintrittsstempel oder suchte Schleichwege, um gratis in die Events zu kommen. Das Geld war knapp und sie war Teil einer Mädchenclique, die sich Da Fuzzys nannte und damit ein bewusstes Statement gegen die toxische Männlichkeit der Hip-Hop-Szene setzte.

Es ist Zeit, dass wir die Vorstellung, dass Vaginas nur zarte Lavendel- und Patchouli-Düfte von sich geben, ablegen

Das erzählt heute ihre langjährige Freundin Rosanna Grüter, die der Gruppe vermittelte, dass „Feminismus“ kein Schimpfwort sei und dass jede Frau, die alle Tassen im Schrank hat, Feministin sein sollte – ein Erweckungsmoment für Talaya Schmid. Ausgebildet in Fine Arts an der Goldsmiths University in London fügt sich ihr Schaffen heute in die Reihe feministischer Positionen wie Lilly Keller, VALIE EXPORT, Tracy Emin, Lygia Clark und Carol Rama. Von der Serie getufteter Soft Sculptures mit dem Titel Spread The Love Cunt über geführte Performances wie Guided Group Mstrbtn bis hin zu den Porny Days zelebriert Talaya Schmid „die weibliche Sexualität mit einer Konsequenz, die zumindest in der Schweiz ihresgleichen sucht“, bemerkt Rosanna Grüter, Dokumentarfilmerin, Journalistin und DJ.11 Schmid nennt Personen mit Vulva liebevoll CUNTS. Stets in Großbuchstaben geschrieben, wie bei einem Firmenlogo, das Aufmerksamkeit sucht, um sich einzuprägen. Als Künstlerin will sie CUNTS nicht nur zelebrieren, sondern sie aus ihrer missachteten, tabuisierten Existenz herausholen, wie mit dem von ihr herausgegebenen magazinartigen Buch CUNT. Liebesbrief an ein Schimpfwort (2021) exemplarisch umgesetzt. Dort heißt es: „Über die Herkunft von CUNT sind verschiedene Theorien im Umlauf. Sicher ist: Im zeitgenössischen Englisch gibt es kaum eine größere Beleidigung. Und: es ist ein sehr altes Wort mit Wurzeln, die sich in verschiedenen Sprachen verzweigen.“12 Vom Wortlaut her sei CUNT ein sehr kraftvoller Ausdruck mit den phonetischen Lauten K, T und U.13

Ästhetik des Aktfotos

Fritz Franz Vogel reiste in den Jahren 1984 bis 1986 nach Köln, Leipzig, Berlin, Zürich und München. Dort interviewte er verschiedene Modelle, die der deutsche Fotograf Thomas Karsten (* 1958) zuvor für seinen ersten Fotoband Thomas, mach ein Bild von uns (1988) fotografierte. Der 1982 aus der DDR nach München übersiedelte Fotograf hatte über Jahre seine Freunde und Bekannten meist unbekleidet dokumentiert. Der Band versammelt einfühlsame Aktporträts, welche Nacktheit auf fröhliche und sensible Art darstellen. Karsten bot vorwiegend Frauen eine Bühne, „ausgezogen vor seiner Kamera zu agieren, ohne Vorgaben … ohne Schminke … dafür mit Frohsinn und Vergnügen, mit Spiellust und Leidenschaft, zwischen Scham und Selbstbewusstsein“.14 In der Folge wandte sich Vogel historischen Aufnahmen zu. Er nennt zwei Quellen von Erotica, die seine ästhetische Sensibilität geformt haben. In Wien besucht er 1985 Erwin Puls (1939 – 2003), Künstler und Schüler von Joseph Beuys, der gerade das Fotobuch Im Herrenzimmer (1984) veröffentlicht hatte. Vogel machte im Atelier von Puls Reprografien dieser historischen Pornografie-Aufnahmen. Die zweite Quelle war die damals imponierende Ausstellung Das Aktfoto. Ansichten vom Körper im fotografischen Zeitalter (1985) von Michael Köhler und Gisela Barche im Stadtmuseum in München. Dort besuchte er das mit pornografischen Karten und Bildern eingerichtete Kabinett. Zu Beginn der Ausstellung, wie Vogel bemerkt, noch ohne Sittenwächter. Die Bilder in dieser chambre séparée stammen wiederum zu einem großen Teil von Erwin Puls.

Während die erotische Fotografie verbreitet war, entschied sich Vogel bewusst dazu, an einem pornofotografischen Panoptikum zu arbeiten, das er 1992 in einer Ausstellung in Zürich unter dem Titel Fick & Fertig der Öffentlichkeit präsentierte. Gezeigt wurden Porno-Aufnahmen, denen man gewiss keinen Kunstanspruch andichten kann, die hingegen, da sie damals rund hundert Jahre alt sind, als Raritäten bereits eine blasse Patina angesetzt hatten.

Landscape of Desire

Im Rahmen der 4. Industrial Art Biennale in Istrien (2023), die das Leitmotiv Landscapes of Desire feierte, erschafft Talaya Schmid – wie im Ausstellungstitel beschworen – eine Landschaft des Begehrens.15 Zu sehen ist im Museum moderner Kunst in Rijeka ihre raumfüllende Installation Liquid CUNTry, ein atmosphärischer Ort, an dem die Besuchenden mit allen Elementen des Werkes eins werden. Hier gilt Schmids Motto: „Lass uns CUNT Power zelebrieren, indem wir alles, was wir wollen, mit Freude umschließen!“16 So wie etwa eine Vagina, ein Mund oder eine Hand ein Objekt umschliesst.

Man wird in der Tat umstülpt von dem, was am Boden liegt oder an den Wänden hängt. Ein Holzsteg führt zu einem Zelt, vorbei an der getufteten Arbeit Infinite Pool of Love and Juices. Darunter steht eine Tiefkühltruhe mit kultigen Raketen-Glaces. Die Gäste sind eingeladen zu einem Steckspiel: eine erfrischende Wasserglace lecken, während sie durch das Environment lustwandeln. Zu hören gibt es den 20-minütigen Soundscape Body Fluids [12], entstanden in einer Kollaboration mit der Musikproduzentin und DJ Belia Winnewisser. Die Gäste erleben eine Komposition bestehend aus expliziten Liebesgedichten, persönlichen Erzählungen und Geräuschen von fließendem, tropfenden und spritzenden Wasser.

Bei Talaya Schmid betreten wir ihre ganz individuelle Landscape of Desire. Es handelt sich nicht um die Darstellung einer sexuell-erotischen Begierde, die konsumistisch auf Besitz aus ist und zu uns spricht: „Ich will haben“. Es ist vielmehr ein ästhetischer Eros, in den wir eintauchen, der uns den Satz zuflüstert: „Ich will sein“ – spritzende, trockene, erigierte, schüchterne, hungrige und schrumpelige CUNT.17

Fünf Schritte zum Parnass

Der Fotohistoriker und Kurator Fritz Franz Vogel ist ein leidenschaftlicher Sammler. Seine Historia Erotica umfasst weit über 10.000 Bilder. Sie stammen aus früheren Sammlungen, aus Auktionen, Ankäufen und Funden.

Für ihn ist die Nummerndramaturgie eine fotografische Erfindung, sie wurde ermöglicht durch das fotografische Verfahren des seriellen Bildes ab Mitte der 1860er-Jahren. Davor bestand Fotografie weitgehend als Einzelbild – abgesehen von den Buchillustrationen einzelner Marquis-de-Sade-Ausgaben des frühen 19. Jahrhunderts. Wenn dann in den 1940er- und 1950er-Jahren Nummer um Nummer fotografisch dekliniert, das Stellungs- und Steckspiel endlos variiert wird, dann werden die Bilder immer langweiliger. „Die Ebene der Inszenierung und des Dekors, das visuelle, soziologisch-kulturelle Setting, das man bis in den 1920er-Jahre hatte, gibt es nicht mehr.“18 Vogel erzählt im Gespräch, dass die Inhalte in der erotisch-pornografischen Bilderwelt auf tradierten Genres basieren und dass die Variationen des letztlich stets Gleichen zwischen Erfüllung und Ermattung oszillieren. Vogel spricht von den fünf Schritten zum Parnass, die gradus ad Parnassum: visus, allocutio, tactus, basium, coitus (sehen, ansprechen, berühren, küssen, genitales Vereinigen). Die ersten zwei, drei Aspekte wurden meist verkürzt dargestellt, denn letztlich ging es um die Aufklärung des eigentlichen Tuns, des Machens, des lateinischen „facere“ (im „fuck“ noch aufzuspüren).

Body Fluids und Squirten

Talaya Schmid spricht ein homoerotisches Gedicht ins Mikrofon, das mit den Zeilen endet: „And you sit on my face / And press your Cunt against my mouth / And slide it over my whole face / So hard / Until you squirt / Now I’m wet.“19 Ihre Sound-Performance im Museum Haus Konstruktiv in Zürich trägt den Titel Body Fluids (2023). Hierbei handelt es sich um performative Tufting-Objekte, welche die Künstlerin und andere Performer:* am Körper tragen; sie sind sowohl schützende und haltgebende Hülle wie auch weiche und verletzliche Membran. Wenn Schmid mit einer Tufting-Gun Garn durch eine in einem Rahmen gespannte Leinwand „schießt“, dann kreiert sie liegende, stehende und tragbare Soft Sculptures. „Diese Objekte entstehen als Bestandteile von und Hilfsmittel für meine Performances“, erklärt die Künstlerin, „sie bilden eine Bühne und sind gleichzeitig auch Bühnenbild.“

Zurück zum Poem. Die zweitletzte Zeile „Until you squirt“ bezieht sich aufs Spritzen, auf die weibliche Ejakulation, auf die Befreiung und sexuelle Selbstbestimmung von Personen mit einer ejakulierenden Vulva. Die Sexualpädagogin und Wrestlerin Lola Jean, Rekordhalterin in der Menge an ausgeschiedener Squirt-Flüssigkeit innerhalb einer Minute, schreibt zum Squirten Folgendes: „Während sich die einen zu Liebhaber*innen des Squirts erklären und enttäuscht sein können, wenn du den von ihnen geliebten Wasserfall nicht ausströmst, werden andere ihre Nase rümpfen, sobald Flüssigkeit aus der Vagina kommt – sei es Squirt-Flüssigkeit, Periodenblut oder Ausfluss. Es ist Zeit, dass wir die Vorstellung, dass Vaginas nur zarte Lavendel- und Patchouli-Düfte von sich geben, ablegen.“20

Orgasmus in historischer Pornofotografie

Sex als Teil der Lebensfreude, als kleine Glückserfüllung und Moment des Spaßes, nichts ist in der historischen Pornofotografie vorfindlich; der Gesichtsausdruck (wie auch der Sex an sich) war aufgrund der Aufnahmesituation statisch und betulich, meint Fritz Franz Vogel. Man musste vielmehr berücksichtigen, dass die Erregung überhaupt beibehalten werden konnte. Deshalb gab es in der Literatur, in der Malerei oder in der Zeichnung so viele schwülstige Träume.

Vogel hebt die Besonderheit des Fotografischen hervor: „Das Agens, die treibende Kraft, war nicht die sexuelle Aktion, sondern die Vorstellung einer sexualisierten Atmosphäre. Die Fotografie hat diese physiologisch-sexuelle Erregung im Laufe der Zeit im Körper und Gesicht explizit sichtbar gemacht; das gelang zuvor keinem anderen Medium.“ Dem Medium Fotografie schreibt er eine disruptive Kraft zu.

Vogel erklärt dazu: „Der Geschlechtsakt ist der magische Kreuzpunkt der beiden Geschlechter und er wird nicht erst visualisiert, seit es die Fotografie gibt.“ Sogar in religiösen Darstellungen, hänge der nackte Jesus unglaublich obszön am Kreuz. „Sein Perizonium, sein aufgebauschtes Lendentuch, beweist auch seine vom Betrachter imaginierte, sexuelle Kraft, die nötig ist, um den Samen des Glaubens in die Welt zu ejakulieren. Die gesamte Kunstgeschichte ist voller solch versteckter Anspielungen einer potenten und erektilen Welt. Weil in der Malerei im Barock eine Mythisierung stattfand, war das eigentlich Gemeinte nie anstößig, dies wurde es erst mit der Fotografie und ihrem unglaublichen Abbildungsrealismus.“21 Interessant ist, wie in der Fotografie um 1890 die orgiastische Befriedigung des Mannes dargestellt wird. Dazu Vogel: „Beim Mann ist der Orgasmus (cum shot) das kapitalistische Produkt, die Quintessenz und der klebrige Beweis dieser Anstrengung. Deshalb ist das Ejakulat, am besten auf dem Gesicht einer jungen lächelnden Frau, die sichtbare Währung in der Pornoindustrie. Sie war es schon damals, indem das Ejakulat mit weisser Farbe substituiert wurde, weil der coitus (interruptus) auf den schlecht ausgeleuchteten Schwarzweissfotos als zu wenig materiell herüberkam“. Was angeblich verwerflicher Porno ist, ist für Vogel ein Lehrstück, ein Akt der Aufklärung. Es geht auch um das Einfordern einer Aufhebung der Grenze zwischen High-&-Low-Culture.

Pornografie als Ästhetikdiskurs

„Der meistgelesene lebende deutsche Philosoph der Gegenwart ist [der] Koreaner: Byung-Chul Han“ (El Pais). Er hat zum Thema Porno eine dezidierte Meinung. „Porno ist der Gegenspieler des Eros. … Das Obszöne am Porno besteht nicht in einem Zuviel an Sex, sondern darin, dass er ohne Sex ist.“ Und dann im Stakkato von Hauptsätzen: „Der Porno ist nicht Sex im virtuellen Raum. Selbst der reale Sex verwandelt sich heute in den Porno.“22 Solchen Pauschalisierungen kann Vogel wenig abgewinnen. Für ihn ist seine Pornophotographica Netzhautsex, Sehen als Akt. Er hält es mehr mit Susan Sontag, die drei Diskurse über Pornografie unterscheidet: sozialgeschichtlicher Machtdiskurs, psychologischer Subjektivitätsdiskurs und künstlerischer Ästhetikdiskurs.23 Sontag legt ihr Interesse auf den Ästhetikdiskurs, wie Vogel: „Die Fotografie war wegen ihres Realismus prädestiniert, um Erregung herzustellen, ein Charakterzug, der heute noch Gültigkeit hat.“ Dann verweist er auf den skopischen Trieb (vom altgriechischen skopein, was so viel heißt wie betrachten), der zum Menschen gehöre. Er sei die menschliche Form einer ersten Annäherung. Die Tiere hätten die Witterung, der Mensch beginne erst später den andern zu beschnuppern. Dafür sei die Fotografie ein „visuelles Analogon“ zum Empfinden, die konkrete Visualisierung einer abgestuften Annäherung.

Fünf CUNTS sitzen im Kreis auf einem getufteten Werk von Talaya Schmid. Der Unterleib ist unbekleidet. Vor ihnen liegen kleine Handspiegel. Sie schauen ungeniert hin und blicken auf ihre Vulvas.24 Bei diesem intimen Close-up, Meet Your die Künstlerin Talaya Schmid die Gastgeberin für den Workshop. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität vollzieht sich hier nicht nur intellektuell, sondern als Akt einer Selbsterkundung.

Im Pandemie-Sommer 2020 findet im Helmhaus in Zürich eine Healing-Sound-Performance von Schmid statt mit dem Titel Guided Group Mstrbtn [08]. Mit Sicherheitsabstand zwischen den Yogamatten entstand ein Raum, um Grundbedürfnisse wie körperliche Nähe und Lust miteinander zu teilen. Hier erleben Geruch, Tastsinn und Propriozeption haarige Haut und das Fleisch der Körper. Es entsteht „ein Raum, der riecht und sich bewegt, der berührt und heilt“, schreibt die Kunsthistorikerin Lea Schleiffenbaum.25 In dieser experimentellen Anleitung hatten die Leute verbundene Augen, um einerseits Voyeurismus zu vermeiden und andererseits den „Blick“ nach innen zu wenden. Sie konnten als sich selbst erfühlende Wesen auch nur dem Soundscape lauschen, ohne Zwang zum Mitmachen.

Wenn wir bei Susan Sontag lesen, dass der Gegenstand der Kunst (Literatur) etwas sei, das man „das Menschliche“ nennt, dann sind die lustvollen Performances und expliziten Videos von Talaya Schmid, paradox formuliert, eine Form von Antiporno-Pornografie. In ihrem Werk geht es immer wieder auch um „die Beziehung menschlicher Wesen zueinander“, um „ihre komplexen Empfindungen und Emotionen“ (Sontag). Wenn die Pornografie sich „durch eine Geringschätzung detaillierter Charakterzüge auszeichne“ und sich „auf die Wiedergabe unmotivierter und endloser Verrichtungen entpersönlichter Organe“ (Sontag) beschränke, dann liege der künstlerische Wert von Pornografie bei Null.26 „Was ich persönlich als lustvoll empfinde, hat sich durch meine intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Thema Sexualität und Pornografie verändert“, erzählt die Künstlerin. „Ich glaube, es ist nicht zielführend, wenn man über schlechte und gute Pornografie spricht.“ Schmid kann als Feministin den Machtdiskurs nicht außen vor lassen: „Wir müssen unsere Rollenbilder überdenken, dann verändert sich auch die Pornografie. Sie ist ein Spiegel unserer Gesellschaft. Und sie kann mehr sein als ein Stimulationsmedium – ein politisches Statement.“27

Das klingt nach einem tanzenden Stern.

Anmerkungen
1 Nietzsche-Zitat, vgl.: www.deutschestextarchiv. de / book / view / nietzsche_zarathustra01_1883?p=21 (Zugriff am 26.02.2025).
2 Nietzsche-Zitat, vgl.: www.deutschestextarchiv. de / book / view / nietzsche_tragoedie_1872?p=38 ( Zugriff am 26.02.2025).
3 André Breton: Exposition inteRnatiOnal du Surréalisme, EROS, 1959, zitiert in: Alyce Mahon, Surrealisms and the Politics of Eros, London 2005, S. 143. Hier aus dem Englischen übersetzt.
4 Michael Depner: Erotik, zitiert nach: www. seele-und-gesundheit.de / exis / erotik.html / Mit Zoon politikon meinte Aristoteles, dass der Mensch nur in einer Gemeinschaft seine Bestimmung findet. Politik und Gesellschaft sind für ihn keine bloßen Optionen, sondern eine natürliche Notwendigkeit.
5 Andreas Beyer, Künstler, Leib und Eigensinn, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2022, S. 9 f.
6 Vgl. zum Aspekt und Begriff des Lebenskunstwerks die beiden vom Verfasser (Paolo Bianchi) herausgegebenen KUNSTFORUM-Bände Lebenskunst als Real Life (143 / 1999) und Lebenskunstwerke LKW (142 / 1998).
7 Michael Depner zitiert nach: www.seele-undgesundheit.de / exis / erotik.html (Zugriff am 26.02.2025). Der Psychoanalytiker Depner fasst auf seiner Website den Unterschied so zusammen: „Der Unterschied zwischen Sexualität und Erotik besteht vor allem darin, dass es sich bei der Sexualität um eine Vereinigung von Objekten handelt, während in der Erotik Subjekte einander erkennen.“
8 NZZ am Sonntag, 7.7.2024, S. 15, zitiert aus dem Gespräch mit Karoline Bischof; Bischof hat in Amerika Sexologie studiert und ist heute am Zentrum für interdisziplinäre Sexologie und Medizin in Zürich tätig.
9 Volker Gerhardt, Die ,grosse Vernunft‘ des Leibes. Ein Versuch über Zarathustras vierte Rede, in: ders. (Hrsg.), Also sprach Zarathustra, Berlin 2012, S. 115. – Dieser Hinweis findet sich bei Andreas Beyer (siehe Fussnote 5).
10 Etymologisch ist „Cunt“ verwandt mit „queen“, „king“, „country“, „kin“, „kinship“, „cognate“, „cognitive“, „knowledge“, „knowing“, „cunning“, „thought“ und eben der indischen Göttin „Kunti“.
11 Rosanna Grüter, Vorwort, in: Talaya Schmid (Hrsg.), CUNT. Liebesbrief an ein Schimpfwort, Edition Clandestin, Biel 2021, S. 2.
12 Ebenda., S. 3.
13 Vgl. ebenda, S. 9, dort heißt es: „Zum Beispiel werden Laute wie K und T mit Stärke assoziiert. Daher werden sie als stärkere, härtere Wörter aufgefasst. Die Vokale A, O und U machen Wörter schwerer und dichter. CUNT vereint all das in sich.“
14 Fritz Franz Vogel, Nach-Ruf, in: Thomas Karsten (Aktporträts) & Fritz Franz Vogel (Herausgeber): … und schön bin ich doch!, Verlag edition ABCDEFGHIJKLM-NOPQRSTUVWXYZ, Diessenhofen 2016, S. 286.
15 Die 4. Industrial Art Biennale in Istrien (2023) mit dem Titel Landscapes of Desire wurde von Paolo Bianchi und Christoph Doswald kuratiert. Vgl. hierzu das Buch zur Ausstellung: 4th Industrial Art Biennial Istria – Landscapes of Desire, herausgegeben von P. Bianchi und Ch. Doswald, im Verlag für moderne Kunst, Wien 2023.
16 Talaya Schmid, in: dies. (Hrsg.), CUNT, a.a.O., S. 88 (siehe Fussnote 11).
17 Vgl. ebenda.
18 Fritz Franz Vogel, Pornophotographica, zitiert nach: Ausstellungskatalog Kunsthalle Winterthur (Hrsg.), Begehren & Eroberung, Winterthur 2008, S. 73.
19 Talaya Schmid, Body Fluids, 2023, Sound Performance, 20 Minuten, Werkschau Kanton Zürich, Museum Haus Konstruktiv, Zürich. Das ganze Gedicht lautet: „Your Cunt is always moist, so wet / It’s so easy and tempting to slip my fingers / In to your warm body at any time / I grab you and pull you in to the next bathroom / Behind the next tree / You open your mouth / And press your lips gainst mine / And I pull down your clothes / And you sit on my face / And press your Cunt against my mouth / And slide it over my whole face / So hard / Until you squirt / Now I’m wet.“
20 Lola Jean zitiert nach: T. Schmid (Hrsg.), a.a.O., S. 65 (siehe Fussnote 11).
21 Fritz Franz Vogel, Pornophotographica, a.a.O., S. 72 (siehe Fussnote 18).
22 Byung-Chul Han, Agonie des Eros, MSB Matthes & Seitz Verlag, Berlin 2013 (Zweite Auflage), S. 40.
23 Susan Sontag, Die pornographische Phantasie, in: dies., Kunst und Antikunst, Hanser Verlag, München / Wien 1980, S. 39 – 71, hier S. 39. – Den Essay Die pornografische Phantasie; engl. Originaltitel: The Pornographic Imagination, hat Susan Sontag erstmals 1967 in der März / April-Ausgabe der Zeitschrift Partisan Review veröffentlicht.
24 Im CUNT-Magazin von Talaya Schmid (S. 81 ff.) wird die Frage gestellt, woher das Bild von „normalen“ Genitalien komme, ob über die Mainstream-Pornoindustrie sich das Bild einer weichen, kleinen Vulva ohne heraustretende Teile eingebrannt habe.
25 Lea Schleiffenbaum, zitiert nach: T. Schmid (Hrsg.), a.a.O., S. 136. Schleiffenbaum schreibt weiter: „Die Arbeit, also Performance, kann als antitoxisch beschrieben werden.“ Und: „Hier werden Themen wie Nähe, Berührung und Körperflüssigkeit aufgegriffen. So wird die Suche nach sinnlicher, sexueller und gesellschaftlicher Heilung nicht zuletzt zu einem politischen Akt, der die Rolle von Intimität, Öffentlichkeit und künstlerischer Praxis auf die Probe stellt.“
26 Sontag, a.a.O., S. 42 f. (siehe Fussnote 23).
27 Talaya Schmid, 25.11.2021, zitiert nach: www.tagesanzeiger.ch / es-ist-krass-jetzt-kann-ich-einen-porno-drehen-und-in-meiner-ausstellung-zeigen-869171267901 (Zugriff am 26.02.2025).
PAOLO BIANCHI
Dozent, Kurator und Kulturpublizist. Seit anfangs 90er-Jahre realisiert er als freier Ausstellungsmacher Kunstprojekte im nationalen und internationalen Kontext, zuletzt die Schau Villa Karbach. Wie der Skurrealismus in die Welt kommt, Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024. Zudem verfasst er als Autor und Gastherausgeber kunstkritische Beiträge in der Zeitschrift KUNSTFORUM International in Köln. Zuletzt publizierte er zu Themen wie: Ressource Kreativität, 2017; Vom Sinn der Kunst, 2018; Staunen, 2019; Die Kunst des Gehens, 2020; Das Schöne, 2023. Seit 2004 ist er Dozent für Curatorial Studies und seit 2015 Gründungsleiter der CAS-Ausbildung Creationship an der Zürcher Hochschule der Künste. Für sein Kulturschaffen wurde er 2012 mit dem Swiss Art Award des Bundesamts für Kultur ausgezeichnet. Er ist Vorsitzender für Bildende Kunst und Performance im Kuratorium des Kantons Aargau.
www.kunstforum.de/person/bianchi-paolo
www.zhdk.ch/cas-creationship
TALAYA SCHMID
(* 1983, Zürich) lebt in Zürich, ist freischaffende, queer-feministische Textil- und Performancekünstlerin in Zürich und praktiziert einen lustvollen, intersektionalen Feminismus. Sie hat an der Goldsmiths University of London studiert, war Verlagsleiterin und Redakteurin des Comicmagazins Strapazin und hat das Film- und Kunstfestivals Porny Days in Zürich mitbegründet. Talaya Schmid verwendet Tufting, ursprünglich eine Technik zur Teppichherstellung, um bunte, flauschige Wandbilder (Soft Sculptures) zu schaffen. Sie tritt mit ihrer Farbenvielfalt bewusst gegen Farblosigkeit an, gegen die graubeige Welt einer immer noch sehr dominanten, weissen, patriarchalen Kultur. Sie schafft immersive und einladende Räume und nutzt ihre Stimme und verschiedene Klänge, um ihren Arbeiten einen schillernden Charakter zu verleihen.
FRITZ FRANZ VOGEL
(* 1957, Luzern), Schulen in Emmenbrücke und Immensee. Studien an den Universitäten Fribourg (heilpäd. Diplom 1980) und Zürich (lic. phil. 1996, Dr. phil. 2006), sowie an der Zürcher Hochschule der Künste (M.A. ausstellen & vermitteln 2011). Er arbeitet als Kulturwissenschaftler, Kunst- und Fotohistoriker, Herausgeber und Kurator seit 1992 produktiv, kooperativ und interdisziplinär in den Medien Text, Fotografie und Buch (Gestaltung, Druckvorstufe und Herausgeberschaft). Forschungen, Lehrtätigkeit, Publikationen und Ausstellungen in den Bereichen inszenierte und dokumentarische Fotografie, populäres und freies Theater, Bildwissenschaft und Kunstgeschichte, Visualistik und Exponatik, Alphabete, Körperbilder und Erotica. Seit 2013 Direktion und Programmation der Tigerfinklifabrik in Diessenhofen (Ausstellungen, Veranstaltungen). Seit 2018 Präsident der Gemeinnützigen Gesellschaft Diessenhofen. Seit 2024 Präsident des Vereins Fotohistory.ch