Fragen zur Zeit
Zwei grüne Füßchen, ratlos
Canalettos Himmel, und warum
Jackson Pollock noch aktuell ist
von Michael HÜBL
Bei Christie’s ist ein Canaletto versteigert worden – eine Ansicht von Venedig mit dem Bucintoro, der noch an der Mole liegt, bevor er mit dem Dogen an Bord Richtung Lido aufbricht, damit Venetiens Staatsoberhaupt in der Lagune seine symbolische Vermählung mit der See zelebrieren kann. Veduten, die der Künstler von seiner Heimatstadt malte, gibt es zwar nicht wie Sand am Strand von Jesolo, aber immerhin in so hoher Zahl, als dass es sonderlich spektakulär wäre, wenn ein solches Werk auf den Kunstmarkt kommt; allein die Darstellungen mit dem goldenen Staatsschiff, die Giovanni Antonio Canal und seine Werkstatt fertigten, gehen ins Dutzend.1
Das Besondere bei der Version, die jetzt in New York den Zuschlag erhielt,2 ist weniger der Geldbetrag, der geboten wurde, als vielmehr der Umstand, dass Canalettos Gemälde höher ist als breit. Liegt es an dem für den Künstler ungewöhnlichen Hochformat? Jedenfalls sticht ins Auge, wieviel Fläche der Meister feinpinseliger Details frei gelassen hat. Gut die Hälfte des Bildes besteht aus der Wiedergabe eines leicht dunstigen, von rosazart schimmernden Wölkchen durchmischten, ansonsten aber leeren Himmels.
Die dialektische Absicht ist klar: Die Leere lenkt den Blick auf die belebten Partien, fokussiert ihn auf die Schilderung der staatstragenden Zeremonie und all derer, die beteiligt sind, zuschauen oder einfach nur rumstehen. Das wohl berühmteste Werk, bei dem ein Künstler sich dieses kompositorischen Schemas bediente, dürfte Las Meninas (1656) von Diego Velázquez sein. Auch hier ist das Geschehen auf die untere Bildhälfte…
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