George Condo
Meine Identität ist, wer ich nicht bin
Ein Gespräch von Heinz-Norbert Jocks
George Condo, einer der einflussreichsten Künstler Amerikas, machte sich in den pulsierenden 90er-Jahren in der New Yorker Kunstszene einen Namen mit seinen karikaturartigen, tragikomischen Figuren mit verzerrten, clownesken Gesichtern. Seine Malerei, die er als „realistische Darstellung des Künstlichen“ beschreibt, wurzelt in seinem kunsthistorischen Wissen, dessen große Strömungen er neu interpretiert. Er nennt diesen Malstil „künstlichen Realismus“ oder „psychologischen Kubismus“. Darunter versteht er das Nachzeichnen der Gedanken menschlicher Figuren, das Einfangen ihrer schwankenden Stimmungen mit dem Pinsel. „Die Menschen sind innerlich zerrissen, manchmal kaum noch menschlich,“ so Condo. „Man kann sehen, wie jemand versucht, sich aus einer solchen Struktur zu befreien und wieder zu totalisieren.“ Er, der danach strebt, die Komplexität der menschlichen Psyche durch Porträts imaginärer Wesen darzustellen, beschreibt diese als „humanoid“ und malt ihre Gesichter nie so, wie sie erscheinen. Vielmehr stülpt er ihr Inneres nach außen zwecks Verkörperung ihrer gemischten Seinszustände.
Geboren 1957 in Concord, New Hampshire, zog Condo 1979 nach New York, wo er unter anderem für Andy Warhols Siebdruckstudio arbeitete. Anschließend ging er nach Köln und von 1985 bis 1995 nach Paris, wo er den Schriftsteller William S. Burroughs und den Philosophen Félix Guattari kennenlernte. 2006 sorgte er in Großbritannien mit seinem Porträt der Queen Elisabeth für große Empörung. Danach kehrte er nach New York zurück, wo er Allen Ginsbergs letztes Porträt vor dessen Tod im Krankenhaus malte. Er, der sich bestens in der Rap-Szene auskennt, gestaltete 2010 das Cover für Kanye Wests…
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