Remagen
Günther Uecker

Die Verletzlichkeit der Welt

Arp Museum Bahnhof Rolandseck 8.2.–14.6.2026

von Jörg Restorff

Darf man von einem Vermächtnis sprechen? Oder ist das zu hochgegriffen, zu pathetisch? Wie auch immer: Im vergangenen Juni starb Günther Uecker im Alter von 95 Jahren in Düsseldorf. Dass seine Nagelbilder, die Malerei, Objektkunst, Licht und Bewegung miteinander verschränken, zu den markantesten „Erfindungen“ der jüngeren Kunstgeschichte gehören, darüber besteht Einigkeit. Seiner künstlerischen Praxis ein derart handfestes Markenzeichen aufzuprägen, das ist nur wenigen geglückt.

Jetzt präsentiert das Arp Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen die erste posthume Ausstellung – an ihrer Vorbereitung hat der Künstler noch mitgewirkt. Von 1957 bis 2020 spannt sich der – gemeinsam mit dem Uecker Archiv zusammengestellte – Werküberblick mit rund 45 Exponaten. Eine Ausstellung, die erfreut und zugleich wehmütig stimmt.

Der Bahnhof Rolandseck, seit 2007 Teil des Arp Museums, das durch Richard Meiers Neubau auf der Rheinhöhe weithin ausstrahlt, ist der ideale Ort für eine solche Hommage. Das Eisenbahngebäude aus dem 19. Jahrhundert präsentierte sich in einem desaströsen Zustand, als es 1964 vom Bonner Galeristen Johannes Wasmuth entdeckt, vor dem Abriss bewahrt und zum Künstlerbahnhof umfunktioniert wurde. Günther Uecker, geboren 1930 in Mecklenburg und 1953 in den Westen geflohen, studierte damals an der Kunstakademie Düsseldorf.

Häufig zog es ihn, den Freund und Komplizen Wasmuths, Mitte der sechziger Jahre nach Rolandseck. „Ein dunkler Ort voller Gerümpel, Dreck und von Ratten belebt“, gruselte sich der Künstler später. Um Johannes Wasmuth die Eingewöhnung zu erleichtern, baute Uecker ihm 1965 „ein Bett zum Aufwachen, eine weiße helle Kammer, von Düsternis umgeben“….

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