Wilhelmshaven
High as a Kite
Luftschlösser in Kunst und Wirklichkeit
Kunsthalle Wilhelmshaven 17.1.–6.4.2026
Rainer Unruh
Luftschlösser können ganz schön schwer sein. Manche drücken wie ein Alb aufs Gemüt. Das erste Bild der Ausstellung High as a Kite ist die schwarzweiße Fotografie einer Siedlung. Im Mittelpunkt der Arbeit NO#04-140220-05 (2018) von Clemens Gritl steht ein Gebäude, das aus mehreren kunstvoll aufeinander gestapelten Hochhäusern besteht, flankiert von einer Reihe parallel angeordneter Gebäude. Kein Mensch stört die kühle Symmetrie der brutalistischen Architektur, die wie ein Mix aus Le Corbusiers Wohnmaschinen, stalinistischem Baustil und den Kulissen dystopischer Science-Fiction-Weltenwürfe à la Blade Runner anmutet. Das Hochhaus im Zentrum des Fotos erinnert in seiner skulpturalen Form an das 1975 errichtete Gebäude der georgischen Nationalbank in Tiflis. Es bleibt allerdings ein gewisser Zweifel, ob sich das Bauwerk auf dem Bild in der Realität gegen die Schwerkraft behaupten könnte. Aber so ist das mit Gedankengebilden, sie nehmen keine Rücksicht auf die Statik. Gritl konstruiert seine Bauten am Computer ohne konkrete Vorlagen. Er zeigt die Vision einer Zukunft, die selbst schon wieder Geschichte ist.
High as a Kite lädt die Fantasie zu Höhenflügen ein. Christian Jankowski hat den nüchternen Flachbau der Kunsthalle Wilhelmshaven aufgestockt. Jetzt schwebt eine rot leuchtende Neonskulptur über dem Dach. Im Inneren ist Jankowskis Luftschlössern ein eigener Raum gewidmet. Man lernt dort auch die Inspiration der Werke kennen. Der Künstler bat Bauarbeiter in Berlin, ihre Vorstellungen von einem Schloss zu zeichnen. Diese einfachen Skizzen setzte er dann in plastische Neonarbeiten um, deren Umrisse ihre Inspirationsquelle nicht verleugnen. Im Kontext der…
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