Neuss
Incarnate
Langen Foundation 9.11.2025–22.3.2026
von Thomas W. Kuhn
Erstmals führen die Langen Foundation und die Julia Stoschek Foundation eine Auswahl von Werken ihrer beiden sehr unterschiedlichen Sammlungen in einer gemeinsamen Ausstellung zusammen. Die schwierige Aufgabe übernahm als Kurator Nadim Samman, der die eigenwilligen Räumlichkeiten des Architekten Tadao Andos in Neuss bereits im Rahmen früherer Projekte zu meistern wusste. Für die Julia Stoschek Foundation mit ihren Werken zeitbasierter Kunst ergibt sich dank dieser Kooperation eine Ausstellungsmöglichkeit im Rheinland, während ihre Düsseldorfer Räumlichkeiten durch bauliche Maßnahmen bedingt bis auf Weiteres geschlossen sind.
Nadim Samman sieht in seiner Auswahl von Werken zeitbasierter Kunst, die mit einer Videoinstallation von Nam June Paik auch eine Leihgabe aus dem Kölner Museum Ludwig umfasst, eine Reihe von Gemeinsamkeiten mit Skulpturen und Malereien asiatischer und nicht zuletzt japanischer Kunst der Langen Foundation, respektive ihrer philosophisch-religiösen Grundlage. Es geht ihm, gemäß Vorwort der Ausstellungsbroschüre zur Schau, um das Verhältnis von Form und Leere, von Wahrheit und Illusion, aber auch um den Begriff und das Wesen des „Avatars“, der aus der asiatischen Geistesgeschichte ins Feld digitaler Repräsentationsformen einer realen oder fiktiven Person übernommen wurde. Um dieses Konzept ranken sich drei Werke der Ausstellung. Peggy Ahwesh beleuchtet in She Puppet aus dem Jahr 2001 aus feministischer Sicht die fiktive Figur der Lara Croft aus dem Computerspiel Tomb Raider als Ausdruck männlicher Fantasien von Sexualität und Kontrolle. In Ed Atkins Video Warm, Warm, Warm Spring Mouths reflektiert der detailliert computergenerierte Protagonist über menschliche Erfahrung, unter anderem durch Rezitation einer Passage aus dem Gedicht The…