Berlin
Inge Krause
Irisglimmen
Galerie Mathias Güntner 8.11.2025–28.2.2026
von Jens Asthoff
Für eine Galerieausstellung hat die aktuelle Schau von Inge Krause (*1948 in Boizenburg, lebt in Hamburg) eine ungewöhnliche retrospektive Reichweite: Von neuen, teils erstmals gezeigten Werken ausgehend, umfasst das Spektrum gut zwei Jahrzehnte. Es ist die sechste Einzelpräsentation der Künstlerin bei Mathias Güntner und zugleich ihre erste am Berliner Galeriestandort. Mit der Auswahl an Gemälden, Zeichnungen aus der Serie endless headline (2011–2021) und neueren Folienarbeiten führt sie darin zugleich mehrere charakteristische Werkformen zusammen. Der Ausstellungstitel Irisglimmen ist bezeichnend für ihre Arbeit – ein Sprachbild, das sie einem Gedicht des italienischen Poeten Eugenio Montale (1896– 1981) entnimmt und das in diesem Kontext metaphorisch ist für das, was insbesondere ihre Malerei ausmacht: Farbe in Eigenständigkeit zu entfalten, als eine Art Aufflackern im Sehen selbst – in der Momentgebundenheit erlebbar, aber nie so ganz zu greifen. Als Malerin, die einst bei Gotthard Graubner (1930–2013) und Stanley Brouwn (1935– 2017) studierte, ist ihr Werk getragen von der Faszination für Farbe als freier Erscheinung wie auch vom konzeptuellen, reflektierten Umgang mit Form und Material, die sie als Resonanzraum fürs Kolorit agieren lässt. So werden etwa Malgrund oder Trägerstoff in Inge Krauses Werken nirgends verleugnet, und doch gewinnt Farbe darin eigenen Raum, zeigt sich, nahe am Licht, auch als etwas Immaterielles.
Dafür hat die Künstlerin charakteristische Verfahren entwickelt, etwa mit einer Malerei, die übers Gießen transluzenter Acrylschichten erfolgt. In Gemälden wie den neun in Berlin gezeigten Kleinformaten ohne Titel (2022 / 2022–2025) kommt sie auf diese Methode früherer Jahre…