vorheriger
Artikel
nächster
Artikel
Ausstellungen: Gladbeck · von Claudia Posca · S. 224 - 225
Ausstellungen: Gladbeck ,

Gladbeck
Jana Gunstheimer

Treibstoff
Neue Galerie 28.11.2025–15.2.2026

von Claudia Posca

Längst haben sich die gattungsübergreifenden Werke von Jana Gunstheimer in der Sparte multimedialer Kunst des 21. Jahrhunderts einen festen Platz erobert. Was aber nicht heißt, dass sie nicht überraschend wirkten. En détail nämlich tun sie das immer wieder besonders durch ihre handwerkliche (Näh-)Akkuratesse, durch ihre malerisch-textilen Collagestrukturen und ganz erheblich durch ihre verunsichernden Darkrooms kafkaesken Ausmaßes: Bildnerischer ,Treibstoff‘ für labyrinthisches Denken. Geboren wurde Jana Gunstheimer 1974 in Zwickau (Sachsen), studierte von 1993 bis 1998 Ethologie und Kunstgeschichte an der Universität Leipzig, war 2010 Stipendiatin der Villa Massimo und ist heute Professorin für Experimentelle Malerei und Zeichnung an der Bauhaus-Universität Weimar. Zuletzt machte ihre auf dem Skulpturenpfad „Purple Path“ im Rahmen von Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 gezeigte Großskulptur Zwickauer Banntuch – Dingenunner dingenauf Schlagzeilen, weil sie attackiert wurde. Der von unbekannt verübte, ikonoklastische Akt war weder vom Veranstalter noch von der in Jena lebenden Künstlerin gewollt. Was zu betonen ist, experimentiert Jana Gunstheimer doch oft selbst in vielfältiger Weise mit bilderstürmerischen Methoden, – allerdings beabsichtigt im Kontext konzeptueller Analysen zur Gewinnung eines gewissermaßen bildexistentiellen Kraftstoffs durch Dekonstruktionen, Überblendungen, Verwischungen, Verletzungen und Verschiebungen tradierter, gemeinhin erwartbarer Kontexte. Bedeutet? Wie in der Neuen Galerie Gladbeck kann da schon mal eine Meister-Proper-Sprühflasche, eine Rotkäpp-chen-Sektflasche im plastisch umgesetzten Blow-Up-Verfahren als surreales Rendezvous westlicher Hygienevorstellungen und ostdeutscher Festivitätsgepflogenheiten ins Auge springen. Dies allerdings nicht ohne das Zerbröseln dieser einst festgezurrten Zuordnungen sogleich mitzuliefern, – als immanent ikonoklastischen Akt sozusagen, weil der von Jana Gunstheimer gehegte Zweifel an Bild-Bedeutungen nichts anderes…

Kostenfrei anmelden und weiterlesen:

  • 3 Artikel aus dem Archiv und regelmäßig viele weitere Artikel kostenfrei lesen
  • Den KUNSTFORUM-Newsletter erhalten: Artikelempfehlungen, wöchentlichen Kunstnachrichten, besonderen Angeboten uvm, jederzeit abbestellbar
  • Exklusive Merklisten-Funktion nutzen
  • dauerhaft kostenfrei