Jeff Wall
Kontrollierte, aber unvorhersehbare Prozesse
Ein Gespräch von Sabine B. VOGEL
In den 1980er Jahren wurde Jeff Wall bekannt für seine Fotografien in Leucht kästen. Für die sorgsam arrangierten Bildmotive fand sich bald der Begriff „ inszenierte Fotografie“. Jetzt sind 27 seiner frühen Werke zusammen mit den späteren, im Inkjetverfahren hergestellten Bildern in der Gallerie d’Italia in Turin ausgestellt. Lose kombiniert unter Themen wie soziale Spannungen, Realität und Fiktion, literarische Referenzen, Mode, sozialer Raum, sehen wir meist Alltagsmomente, denen eine faszinierende filmische Dramaturgie gemeinsam ist. Bei einem Rundgang durch die Schau erklärt der 1946 in Vancouver geborene Künstler, warum er „Inszenierung“ lieber durch „Cinematografie“ ersetzt und dass er durchaus mit Zufällen arbeitet.
SBV Sie sind bekannt für Ihre Tableaux-Fotografien mit Menschen, Ihre Ausstellung in Turin beginnt aber mit einer menschenleeren Land – was hat Sie daran interessiert?
JW Die Fotografie entstand auf Sizilien. Es ist eine dieser kargen Landschaften, die man auch im Nahen Osten finden kann. Es scheint, als hätte sich hier in Tausenden von Jahren nie etwas verändert, nie jemand gesiedelt, nichts wurde je gepflanzt. Es ist ein komplett anderes Setting als auf dem Triptychon The Gardens, die wir ganz bewusst nebeneinander gehängt haben.
SBV Das Triptychon The Gardens entstand auch in Italien?
JW Ja, meine Frau wollte den Garten der Villa Silvio Pellico, der ganz in der Nähe von Turin liegt, sehen, weil der von Russell Page gestaltet ist. Nach der Tour schlug sie vor, ich könnte doch etwas hier machen. So stehen jetzt die Besitzer in…