Genf
John M. Armleder
Observatoires
Musée d’art et d’histoire 24.1.–25.10.2026
von Heinz-Norbert Jocks
Er, der selbsterklärte „Fan des Zufalls“, der John Cage sein großes Vorbild nennt, schätze es, wenn seine Kunst in eine neue Bewegung eingebunden wird, so John M. Armleder. Dies ist einer der Gründe, warum er nicht nur Werke geschaffen, sondern auch Ausstellungen kuratiert hat. Als sein großes Pariser Comeback bejubelt, kombinierte er 2011 im Palais de Tokyo unter dem Titel All of the Above eigene mit Arbeiten von dreißig Freund*innen. Es war die letzte Ausstellung in seiner fünfjährigen Amtszeit, die Marc-Olivier Wahler initiiert hatte. Und er ist es, der als Leiter des Genfer Musée d’art et d’histoire nun seinem alten Freund die sechste Carte Blanche erteilte. Der 1948 in Genf geborene Sohn einer Hoteliers-Familie, der als Achtjähriger die Erleuchtung, Künstler werden zu wollen, beim Herumstreunen durch das MoMA in New York vor einem Malewitsch erlangte, bespielt siebzehn Säle im Erdgeschoss des zweitgrößten Museums der Schweiz mit über 500 Objekten, die er sich unter den 800.000 Objekten aus den Archiven herausgepickt hat. Dabei negiert er humorvoll nicht nur den Unterschied zwischen hoher und trivialer Kultur. Für ihn schließen sich Banalität und Komplexität nicht aus, sondern kurz. Und die Rede von Autorenschaft findet er absurd, weil es unmöglich ist, sich Einflüssen zu entziehen. Observatoires nennt er seine so intelligent wie subtil kuratierte Schau. Der Titel bezieht sich auf die „Sternwarte, die direkt gegenüber dem Museum gebaut werden sollte. Dieses Projekt“, so Armleder, „wurde aufgegeben, aber als Kind gab es eine andere Sternwarte, in…
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