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Ausstellungen: Linz · von Ursula Maria Probst · S. 245 - 246
Ausstellungen: Linz ,

Linz
Judith Fegerl

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OK 7.11.2025–22.2.2026

von Ursula Maria Probst

Die Befragung von Energie als zentrale Währung gesellschaftlicher Organisation bildet den Ausgangspunkt von Judith Fegerls Soloshow im OK Linz. Wer sich die Frage stellt, wo Energie zu Form wird und Form zu Macht, wird in den Skulpturen, Installationen und architektonischen Eingriffen von Judith Fegerl fündig. In ihrer Videoarbeit unbraid (2020) lässt uns Judith Fegerl gleich eingangs an ihrem Arbeitsprozess teilhaben: Konzentriert entwirrt sie mit ihren Händen im Video die geflochtene Struktur eines Kupferstromkabels, separiert, kordelt und verlötet ihre Enden. Assoziationsreiche Anspielungen zur feminisierten Praxis des Haarflechtens als Akt des Bändigens erfahren in unbraid eine Form des Rückgängigmachens. Judith Butlers Ausführungen in Undoing Gender (2004) klingen durch und deren Aufforderung normative Strukturen zu entflechten. Das kleinste technische Detail wird im Werk von Judith Fegerl zum Bedeutungsträger, konfrontiert uns mit unserer eigenen durch den Akt des Zusehens ausgelösten Kompliz*innenschaft.

In ihrer Skulptur the kitchen was what she had given of herself to the world (2019 / 2025) verwendet sie quaderförmige Module in den Maßen gängiger Küchenmöbel aus magnetischem Edelstahl, deren Oberfläche sie durch eine spezielle Induktionstechnik zum schillernden Leuchten bringt. Der durch die Hitze und Energieeinwirkung ausgelöste Transformationsprozess wird zur Metapher für die Überschreibung gesellschaftlicher Normen und festgefahrener Strukturen. Judith Fegerls Werke funktionieren komplex, so ist der Titel eine Anspielung an Kurt Vonneguts Roman Player Piano (1952) in welchen die Maschinen die Arbeit übernehmen und den Menschen sinnentleert zurücklassen. Judith Fegerl kritisiert scharf Vonneguts Reproduktion sexistischer Stereotopen weiblicher Charaktere. In der Installation cutane (2013) hingegen lenkt…

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von Ursula Maria Probst

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