Wien
Julius von Bismarck
Normale Katastrophe
Kunst Haus 10.9.2025–8.3.2026
von Petra Noll-Hammerstiel
Mit Arbeiten aus den letzten 15 Jahren, einer neuen Fotoserie und einer Intervention im Außenbereich präsentiert der in Berlin lebende, multimedial arbeitende Künstler Julius von Bismarck seine erste institutionelle Einzelausstellung in Österreich. Er zeigt Fotografien und Filme von Naturkatastrophen, für die er sich extremen Situationen ausgesetzt hat: Er peitscht das Meer aus, fängt Blitze ein, kämpft sich durch Waldbrandgebiete und bemalt Landschaften. Basierend auf langen (wissenschaftlichen) Recherchen und großem organisatorischem Aufwand entstehen starke, sinnliche Bilder der Zerstörung, mit denen er unser Verhältnis zur Natur, aber vor allem unsere von verzerrten Medien- und Postkartenbildern sowie von tradierten kulturellen Narrationen geprägte Wahrnehmung kritisch hinterfragt.
Der Titel der Ausstellung, Normale Katastrophe, spricht von der Vielzahl ökologischer und gesellschaftlicher Krisen, die zur neuen – traurigen – Normalität geworden sind. Assoziieren lässt sich auch die Theorie des Soziologen Charles Bryce Perrow (1925–2019), der in seinem Buch Normal Accidents. Living with High Risk Technologies von 1984 Unfälle in technologischen Anlagen nicht als Ausnahmen, sondern als Ergebnis komplexer, von vielen Faktoren beeinflusster Systeme und daher als nicht völlig vermeidbar und „normal“ versteht. Julius von Bismarck sieht auch Naturkatastrophen als nicht immer zu verhindernde Unfälle, die aufgrund der Komplexität der Beteiligung von Mensch (der zugleich die Lage verschärft wie auch bekämpfen kann) und Natur (wo vieles, etwa Vulkanausbrüche und Erdbeben, „natürlich“ sind), passieren.
Im ersten Raum geht es um das Element „Wasser“. Für das Schwarz-Weiß-Fototriptychon Landscape Painting (Bismarck Sea, Volcano) von 2023 wurde eine große Meeresfläche mit einem Netz aus gemalten…