Mannheim
Kaari Upson
Dollhouse – Eine Retrospektive
Kunsthalle Mannheim 13.2.–31.5.2026
von Ellen Wagner
Der Blick fällt wie durch eine riesige zerrissene Netzstrumpfhose: Die Latexabformung eines aufgeschlitzten Maschendrahtzaunes eröffnet Dollhouse, die erste Retrospektive Kaari Upsons (1970–2021) in Deutschland, und lässt zugleich an eine Körperöffnung denken (Trespass, 2011). Wir dringen vor in den ersten Raum, der einer Lang-zeit-Obsession der Künstlerin seit Studientagen am CalArts gewidmet ist, wo sie zwischen 2001 und 2007 als bereits versierte Malerin ihre mediale Vielfalt entwickelte: Im Larry Project (2005–2012) konstruierte sie die fiktive Persönlichkeit eines früheren Nachbarn im von Armut, Erdbeben und Smog geplagten kalifornischen San Bernardino, der, Upsons Recherche nach, in Kreisen des Play-boy-Gründers Hugh Hefner verkehrte. Seit das Haus nach einem Brand leer stand, drang Upson immer wieder darin ein (durch den Zaun wie durch eine Strumpfhose hindurch) und sammelte forensisch das Ausgangsmaterial ihrer Imaginationen.
In einem Video kniet sie über einer Stoffpuppe Larrys, sägt sich durch die Halswirbelsäule, während sie von ihren Nachforschungen über den ehemaligen Nachbarn – „seemingly a nice guy“ – berichtet und rotes Füllsel aus dem Halsansatz quillt. Sie ist am Innern der Figur interessiert, will dieses so dringend am eigenen Leib erfahren, dass sie sich den abgetrennten Kopf schließlich wie eine Maske aufsetzt.
Bei allem virtuosen Graben und Sezieren ging es Upson nicht darum, die von ihr ‚gefundene‘ Person bloßzustellen, sondern vielmehr eine Beziehung zwischen dieser und sich selbst herzustellen und, vielleicht auch stellvertretend für eine Gesellschaft, die voyeuristische Befremdung wie Faszination auszustellen, die sie selbst, uns selbst zu einem Teil „Larrys“ werden lässt. So…
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