Zürich
Lava-Mensch
Geschichten aus dem Erdinnern
Graphische Sammlung, ETH 3.12.2025–8.3.2026
von Max Glauner
An Friedrich Hölderlins Heilsbeschwörung, „wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“, haben sich etliche abgearbeitet. In ihm spricht das tiefe Bedürfnis nach Halt und Orientierung, existenziell, politisch und auch im Feld der Kunst, das im Kern Existenz und Politik zu analysieren, reflektieren und kritisieren trachtet, um durch Kritik und Aktion zur gesellschaftsverändernden Tat zu schreiten. So weit so gut.
Orientierung und Hoffnung schenkten mir im vergangenen Jahr tatsächlich zwei Ausstellungen. Von der ersten habe ich hier im Band 304 berichtet; das Kunstmuseum Basel zeigte Medardo Rosso. Die Erfindung der modernen Skulptur. Die zweite möchte ich hier vorstellen: Lava-Mensch. Geschichten aus dem Erdinnern. Sie wird bis zum 8. März 2026 in der Graphischen Sammlung der ETH Zürich, der Eidgenössischen Technischen Hochschule gezeigt.
Die Basler Ausstellung ließ tief in die Brennkammer schöpferische Prozesse blicken, lenkte die Aufmerksamkeit weg vom Narrativ des heroischen Einzelkämpfers auf die selbstverständlichen Verknüpfungen von Medien und dem Austausch von Künstlerpersönlichkeiten. Die Verbundenheit der Kunstschaffenden, der Kontextualität ihrer Arbeit, die Betonung der produktions- wie rezeptionsästhetischen Performanz und ihrer Übergänge erschien mir als Befreiung und energetischer Gegenpol zu einem immer noch gepflegten und wiedererstarkenden dogmatischen Absolutheitsanspruch, der aus den autoritären Angstregimen der Politik und Gesellschaft auch das Kunstfeld einsickert und vergiftet.
In Zürich wird noch einmal die schöpferische Energie der Kunst aus einem gänzlich anderen Blickwinkel, nicht monografisch, sondern thematisch doch ebenso polyperspektivisch und multilateral erzählt. Weit bescheidener im Umfang verrät sie ihren dokumentarischen Charakter, Niederschlag und Weiterentwicklung des Feldforschungsprojektes 17 Volcanoes…